Training mit sich selbst - für alle

Wir haben inzwischen viel miteinander einzeln und in Gruppen diskutiert über die Maßnahme, die wir beschlossen haben, dass wir alle uns mehr in das offizielle Training abends einbringen sollten, anstatt einzeln in Gruppen (meistens Samstags) zu trainieren. Falls das eine Alternative ist. Wer Samstags trainiert und deswegen weniger ins Abendtraining kommt, (das gilt auch für Leute, die zwar kommen, aber nicht mehr in der Lage sind 100%ig zu brennen) sollte dies unterlassen.

An dieser Stelle noch ein Mal ein kurzes statement, weil meist nicht alle erreicht werden: Ihr könnt Euch das Training, vor allem mittelfristig, vorstellen wie einen Dampfkochtopf. Sagen wir, wir brauchen ca. 60 Grad, damit das Wasser beginnt zu verdampfen. Unser Training ist die hitze im Topf. In erster Linie ist es wichtig, dass die Gruppe qualitative Fortschritte macht - nicht die einzelnen Mitglieder!

Es ist überall so, dass der höhergeordnete Organismus Priorität hat, das ist nichts Besonderes. Das Molekül hat Vorrang gegenüber dem Atom, das Organ ist wichtiger als die einzelnen Zellen, der Mensch ist auch ohne manches Organ lebensfähig (wenn nötig).

Wenn wir sagen, das Dojo ist wichtiger als die einzelnen Mitglieder, klingt es erst mal abstrakt. Was meint das, wer ist das? Sicher nicht die vier Wände, die uns beim Training umgeben. Es ist vielmehr die Gemeinschaft der Lernenden als Ganzes. Die hat eine eigene Individualität, eine eigene Intelligenz, wie ein Schwarm etwa.

Wenn Ihr viel in die Gemeinschaft einbringt, wird sie intelligenter, weil jede Frage, Ausführung, jedes Talent, das eingebracht wird, widerhallt in einer Gemeinschaft von Individuen, die jeder für sich schon ein Kosmos ist!

Denken, fühlen und leben in diesem Sinne bedeutet einen existenziellen Quantensprung vollziehen, der gerade heute immer wichtiger wird. Als Aikidoka haben wir es relativ leicht, diesen Quantensprung zu vollziehen, wir üben auf der ersten, körperlichen Ebene ja jeden Tag daran. Also sollten wir es auch tun.

Dies bedeutet - ich betone dies immer wieder - selbstverständlich keine "Bestrafung" sondern eine Anforderung, eine Einforderung, dass wir alle miteinander im Üben des Weges in kleinen Schritten lernen, das Höhergeordnete an seinen rechten Platz zu stellen. Fangen wir mit der Dojogemeinschaft an.

Die ersten Leute trainieren schon mehr nach den Stunden für sich, so dass ich und alle anderen es sehen können. Da fließen wichtige Infos. Kommt bitte mit Euren Fragen auch immer zu den Lehrern. Mirjam und Migo machen in Absprache mit Thorsten Anfänger Formentraining und freuen sich auf Eure Fragen.

Thorsten macht Dienstag das Aikido Grundlagentraining - welches stets nach den Grundlagen und körperlichen wie geistigen Voraussetzungen  der Techniken fragt. Bringt Euch auch bitte hier ein. Die drei genannten Trainings sind keine Einbahnstraßen.

Ein Wort noch zu der Vorbereitung für die Kyupassagen. Die nächsten stehen im Januar an. Bitte habt doch keinen Stress, jedes mal eine Passage machen zu müssen! Das geht bei den höheren Graduierungen sowieso nicht. Die sempais (ältere Weggefährten) sollten verantwortlich mit dafür sorgen, dass so manche Anfänger nicht verwechseln:


Es gibt keinen Weg zur Freude, Freude ist der Weg. (Buddha) - Das Training muss Freude machen, auch wenn einem manchmal zum heulen zumute ist. Was ist der Unterschied zwischen Spaß und Freude? Wofür lernt ihr? Warum? Und so weiter.

Eine Passage mit einer starken Formdominanz widerspricht sich selbst. Das ist als wollte man sich selber auswendig gelerntes Alphabet als Zeugnis menschlicher Kreativität verkaufen.

Auf der anderen Seite ist Kreativität ohne gelernte Form nicht der klassische Weg, nicht SEISHINKAI AIKIDO. Wie immer ist es die Balance zwischen den Dingen, die wir brauchen, und die wir nie erreichen. Das muss man auch mal sagen. Der Mensch ist ein Übergangswesen, ständig auf dem Weg der Verbesserung (jap. kaizen)

Aikido ist ein existenzielles Werkzeug, mit dieser Grundbefindlichkeit gut umzugehen. Ich kenne kein besseres und möchte Euch alle an dieser Stelle noch einmal einladen, Eure Intelligenz und Kreativität in die ganze Dojogemeinschaft einzubringen. Das hilft letzlich am meisten: euch selbst.

Aikido funktioniert nicht nur zu zweit, sondern am besten mit allen.