Hadeland Seminar

"Jens?" "Ja!"  "Mattei?" "Ja!"" Hanne?" "Ja." - Im Versammlungsraum des Martial Arts Internates in Brandbu werden morgens um 9.15 Uhr alle versammelten Schüler bestätigt. Heute ist Andreas Versammlungsleiter und führt durch die anstehenden Themen: was heute ansteht, welches Seminar am Wochende stattfindet, Probleme in der Küche, Wünsche der Studenten und Anregungen der Lehrer.

Die Hadeland Volkshochschule ist eine von 78 Volkshochschulen in Norwegen, die alle - jeweils mit eigenem Profil - um die Gunst der jungen Leute zwischen Schule und Studium werben. In Hadeland kann man Aikido, Taekwondo, Shiatsu, Yoga und ganzheitliche Heilkunst studieren. Man hat jeweils ein Hauptfach - mit 14 bis 16 Stunden pro Woche - und ein Wahlfach mit 4 Stunden. Die Schule wird selbst in Ordnung gehalten. So sind alle von morgens bis abends intensiv mit ganzheitlicher Fortbildung beschäftigt.

Was macht dieses eine Jahr mit den jungen Menschen? Jedes Mal, wenn ich nach Hadeland komme - nun schon das vierte Mal - finde ich eine neue Klasse von 25 bis 30 jungen Leuten vor - die mir die Tränen in die Augen treibt!

Die Kerzen links und rechts neben der Kamiza brennen schon, das Dojo mit seinen schönen Kalligraphien duftet nach japanischem Rauchwerk. Es herrscht eine tiefe Stille, die ich als krassen Gegensatz empfinde zu dem Bild, das ich noch von Adam im Kopf habe, der vor 30 Minuten am Frühstückstisch von einem Bein aufs andere hin und her wippte und seier Aufregung über das bevorstehende Schwertraining noch nicht Herr wurde. "It is so thrilling to have you here:"


Sie haben ihr ganzes Leben noch vor sich, sind wach, neugierig, begeisterungsfähig, und gleichzeitig so fragil und schutzbedürftig. Ich sehe in der Tiefe die Aufregung der jungen Leute und gleichzeitig die Courage, es mit dem Leben aufzunehmen!

Abschließend zum Seminar haben die Schüler ein Interview organisiert, in dem ich gefragt wurde, wie mir dieser Ort gefallen würde und ob ich einen Rat hätte für sie, wenn sie die Schule sozusagen ins Leben verlassen würden: Ich antwortete, dass ich mich hier sehr zu Hause fühle. Und das Wichtigste: Wenn du es irgendwie beeinflussen kannst, ob andere dein Leben leben wird, oder ob du es selber lebst - mach es selbst!

Die 7 Minuten des Interviews waren viel zu kurz. Was ich aber noch gerne gesagt hätte: "Ihr bereichert mich umgekehrt so sehr, einfach durch die Art wie Ihr seid! Vielen Dank."

Thorsten Schoo bereiste die Volkshochschule Hadeland und das angeschlossene Aikidodojo Fudoshinkan im Jahr 2011 zum vierten Mal.