Grundlagentraining Ukemi

Im letzten Grundlagentraining haben wir uns die wichtigsten Ukemis im Aikido erarbeitet und herausgefunden, dass diese grundsätzlich abhängig sind von der Fußposition und der Stellung der Hüfte (Kamae).

Wenn man z.B. in der Hanmi (halber Mensch) Position steht - die Standardfigur am Anfang und am Ende einer Kata - ergibt sich der Ukemi mit dem Arm innen fast von selbst. Wichtig in der Durchführung ist die richtige und bewusste Verteilung der Körperspannung. Sonst kann man nicht langsam rollen und kippt zwanghaft zur Seite weg.

Wenn die Füße nicht auf einer Line und näher beieinander stehen - wie oft in der Interaktion, also zwischen Anfang und Ende einer Kata - ergibt sich eine Vielfalt verschiedener Ukemis als Antwort auf eine besondere Situation: Werde ich geworfen, gepinnt, will ich einem Schlag entkommen, ist es ein taktisches Auf-den-Boden-gehen etc.

Der wichtigste Unterschied ist allerdings, ob im Ukemi der Arm innen (wie oben beschrieben) oder ob der Arm außen gehalten wird. Der "Innenukemi" ist eigentlich schwerer durchzuführen, er erfordert auch eine höhere Bewusstheit bei der Verteilung der Körperspannung und ein noch genaueres Timing. Wenn das Timing nicht stimmt - oft weil die Spannung in den Schultern zu groß ist - kann man leicht auf die Schulter fallen und sich weh tun.

Im "Außenukemi", bei dem der Arm nicht nur nach außen geführt, sondern dabei auch noch rotiert wird, kommt der Deltamuskel nach außen und schützt den gesamten Schulterapparat im Kontakt mit dem Boden. Ausserdem ist die Geschwindkeit im Außenukemi geringer. All das macht den Außenukemi für einen prekären Kontakt mit dem Boden (Steine, Glas, Gegenstände) zur ersten Wahl.

Das heißt nicht, dass man mit dem "Innenukemi" nicht sicher fallen könnte. Es ist nur schwerer, wie schon gesagt. Die traditionelle Vorwärtsrolle hat auch noch eine zusätzlich andere Funktion als die Rolle mit dem Außenarm: Man macht dabei "mehr Strecke", entfernt sich mehr vom Partner, in der Hoffnung, damit genug Raum zum Aufstehen zu haben.

Demgegenüber ist es mit dem Außenukemi durchaus möglich, im Rollen nah beim Partner zu bleiben (Körperkontaktwürfe, Angriffe von unten, Bodensituation z.B.).

Die beiden vorgestellten Ukemi Arten haben selbstverständlich viele Variationen, die es zu erlernen gilt (wir wollen uns im Grundlagentraining all dem widmen) - es ist aber wichtig, ert einmal den grundsätzlichen Unterschied zwischen Außen und Innen Ukemi zu verstehen.

Die Vielfalt des Ukemi im Seishinkai Aikido ist ein besonderer Aspekt, der es uns mehr Sicherheit geben kann. Jede Situation ist anders. Wir sollten darauf auch entsprechend reagieren können.

Das Formentraining im Aikido ist wie ein zweidimensionales Gitterwerk in einem zunächst einmal unbekannten, dreidimensionalen Raum. Indem wir auf dem Gitter, vorwärts, rückwärts und seitwärts laufen (Formentraining), "schnuppert" sozusagen eine neue Dimension (Überraschung) in unser Training hinein. - Das Ukemitraining ist eine elementare Vorraussetzung dafür, dass eine weitere Dimension das persönliche Training bereichert.

Mit dem Bild der "dritten Dimension" ist die Innere Arbeit des Seishinkai Aikido gemeint, oder die Fähigkeit, sich auf  Überraschungen einzulassen. Auf Neues kann man sich nur einlassen, wenn man über eine innere Sicherheit und Selbstverständlichkeit verfügt. Sicherheit gewinnen wir u.a. auch durch aufmerksames Ukemitraining.