In Japan 6

Montag. Heute ist unser letzter Trainingstag. Auf dem Programm (das ich hier nur kurz zusammenfasse, weil wir einerseits keine Zeit mehr haben, andererseits sind die Erfahrungen zu intim, um sie hier zu veröffentlichen):

10.00-12.00 Shinken practice (real sword; and I can tell you, they are REALLY sharp) - Araya sensei
13.30-14.00 Misogi lecture - Araya sensei
16.00-17.30 Misogi lecture - Inaba sensei
18.30-20.00 Ken-Jutsu advanced  - Inaba sensei
20.30-22.00 Einladung zum Dinner mit Inaba sensei und den nächstenTrainern

Morgen früh geht es um 8.00 Uhr mit dem Bus in den Berge, zu einem wohl besonderen Ort, wo wir mit der Seilbahn hochfahren zu einem Wasserfall, um dort Misogi (Reiningung) zu praktizieren.

Was sagen die Lehrer zu Misogi im Vorfeld? In alten Zeiten gingen sie in Japan davon aus, dass jeder Mensch Makoto mit auf den Welt bringt (einen reinen Geist), der durch das Leben zwangsläufig korrumpiert wird (evil spirit). Makoto bleibt unter den Verhüllungen und Verbiegungen aber erhalten - es geht in der Praxis (welche auch immer) nun darum, den Scheiß wieder loszuwerden.

Indem wir im Misogi alles loswerden, was nicht ursprünglich ist, nehmen  die spirits of nature wieder ihren Platz ein.

Misogi unterteilt sich in:
1. Harai kotoba - sich darüber klar werden, was man wirklich mit ganzem Herzen will
2. Torifune - Ruderübung im Stillen, oder auch laut; den Körper engagieren, diese Reise (über das Wasser) auch physisch anzutreten
3. Otakebi - durch lautes Singen seinen Wunsch im geistigen Dschungel einplanzen, den Samen gedeihen lassen, schließlich den ausgewachsenen, großen Baum bezeugen
4. Okorobi - die kami (Geister) der Welt anrufen, dasss sie einverstanden sind
5. Ibuki - spezielles Atmen; den Prozess mit Energie versorgen
6. Misogi - die physische Reiningungsprozedur

in unserem Fall morgen unter dem eiskalten Wasserfall. Jeder wird einzeln drunter gehen, vorbereitet und unterstützt von allen anderen. Jeder darf solange drunter bleiben wie er oder sie möchte. Maximal aber 5 Minuten ....

Schaun wir mal, wie es morgen aussieht... Ich nehme mein Laptop nicht mit in die Berge, wo wir übernachten und also erst übermorgen wiederkommen. Dann laufen schon die Abreisevorbereitungen. Ich denke also, dies wird der letzte Beitrag aus Japan sein. Ich freue mich auf Euch zu Hause!

Nur noch dies zum Schluss, zum Nachdenken: Inaba sensei sprach davon, dass wir natürlich uns erst maximal selbst anstrengen müssen und dann die kami anrufen. Andernfalls macht es keinen Sinn.

Und dann noch ein schöner Satz von Sensei: There is a road to climb - but there is no road to come down. Er will damit sagen, dass wir im Budo nicht so tun können, als würde es das bereits Erlernte nicht geben. Wissen verpflichtet zu weiterem Lernen und zu verstärkter Arbeit an der Gemeinschaft.

Denn erst wenn wir unseren Egoismus weitestgehend überwunden haben, können wir unser Leben wirklich verbessern.

In Japan 5

Sonntag Nachmittag und Abend war frei - ich habe erst mal lange im Onzen (heißes Bad) gelegen, ein bisschen ausgeruht, an diesem Blog geschrieben  und habe mich dann auf den Weg nach Harajuku gemacht. Das ist eines der an den Yoyogipark angrenzenden Viertel mit Sonntags ziemlich vielen Leuten.

Hier sieht man die rebellierende Jugend Japans. Sie verkleiden sich gerne, so lange, bis sie im normalen Job stehen. Dann ist offiziell Schluss mit "Ekstase".

Die Japaner lieben das Puppenhafte, im Gegensatz zu den Leuten im Schrein. Es ist wie eine andere Welt.

Wobei die Welt außerhalb des Schrein schon größer ist - hier sieht man den Omotesando, eine beliebte Flaniermeile in Harajuku. Über diese Kreuzung gehe ich gleich in ein Kaufhaus  ...











Was diese Leute wohl bewegt? Japan ist  westlicher als der Westen (wenn es um den Kommerz geht) - andererseits ist es auch total anders (wenn es um die Religion geht). Könnt íhr euch vorstellen, dass hier in diesem Verkaufsbunker Gott wohnt? Wenn es ihn gibt, ist er überall ....

Man erkennt das kaum, es ist eine Rolltreppe in einer Eingangshalle, die mit gebrochenen Spiegeln  verkleidet ist. Dadurch werden die vielen Leute noch mal vervielfacht. Vielleicht wird euch beim Zuschauen ein bisschen so schwindelig, wie mir schwindelig wurde.

Mittlerweile wird es langsam dunkel, meine Einkäufe habe ich hinter mir, den Hunger in einem Kaiten Sushi in Shinjuku gestillt. Kaiten Sushi ist eines Lokal, in dem sich auf einem Minifließband kleine Teller mit frischen Sushi um eine Theke bewegen. Man nimmt sich die Teller, die man haben will (haben alle unterschiedliche Muster, je nach Preis), am Ende wird zusammengerechnet. War gar nicht so teuer :-)

Dies ist eine der Hauptstraßen von Shinjuku. Der Shinjuku Bahnhof ist glaube ich der größte Bahnhof der Welt! Hier findet man sich normalerweise nicht zurecht. ist völlig irre, wieviel Leute hier unter der Erde zu den verschiedenen Gleisen schieben. Ihr kennt vielleicht Bilder von Tokios U-Bahnen aus den 7-er Jahren, wo Bedienstete die Leute in die Waggons schieben. So war es heute Abend auch - nur ohne Bedienstete. Das haben wir alleine hingekriegt.

Dies ist der Eingang ins Vergnügungsviertel Shinjuku's. Es ist ungefähr so wie in Frankfurt. Die Banken liegen direkt am Rotlicht - nur ist hier alles 10 Mal größer. Und Shinjuku mit seinen paar Millionen ist ja nur ein Stadtteil Tokios. Tokio soll im Moment mit Eingemeindungen 42 Millionen Leute "beherbergen".

Ich bin nicht ohne Grund nach Shinjuku gefahren, an meinem einzigen freien Nachmittag. Die Idee war, die alten Wege noch einmal abzulaufen, die ich schon unzählige Male zum Hombu Dojo Aikikai gelaufen bin, immer von verschiedenen Hotels aus. Ich wollte sehen, ob sich was verändert hat, und ob ich den Weg überhaupt noch finde ...

Ah! Dies ist der Weg, den ich immer so gerne gegangen bin. Überraschenderweise biegt man mitten aus der belebten Hauptstraße  durch ein kleines Tori in diesen charmanten Weg ein, der führt dann ziemlich immer geradeaus, am Subways und am Freshnes Burger vorbei, ins Hombu Dojo ...


Und hier ist das Haus der Familie Ueshiba, direkt neben dem Hombu Dojo Aikikai, im Wakamatsu Weg. Sonntag Abend ist hier nichts los, alles zu. Es kommt mir alles deutlich kleiner vor als früher.

Zum Schluss meines kleinen Spaziergangs nehme ich noch einen echten Milchkaffe im Freshnessburger, wie früher ... -

Morgen üben wir mit dem Shinken, scharfes Schwert. Ich freue mich riesig, das ist wieder ein Höhepunkt des Lehrgangs. Nach all dem Trubel kann ich nichts mehr als eine Zuspitzung gebrauchen.



In der ersten Häflte meines Lebens dreht die Suche im Aikido nach außen, in der zweiten Hälfte dreht sie nach innen. Ich kann alles betrachten, was ich bis jetzt getan und gelassen habe und aus einer eigenen Mitte heraus sagen: es ist ok. Ein gutes Gefühl.

In Japan 4

Am Sonntag sind enorm viele Leute im Shiseikan. Es gibt wohl ein nationales Kyudo Turnier, Kindertraining, die Klasse von Yamada Shihan - wir trainieren draußen im Park: Kassen dachi.

Kassen ist die 5. und letzte Serie der Kashima no tachi. Es ist das Kämpfen gegen mehrere Gegner, eine Schlachtfeldsituation, vergleichbar mit einer Massenschlägerei, aber natürlich krasser durch die Bewaffnung.

In der 4. und speziell in der 5. Serie wird also mehr deine psychische Stabilität, auch die taktische Cleverness geprüft als die gelernte Form. - Bereits nach 5 Minuten stand uns der Schweiß auf der Stirn!

Wunderbar, wie ruhig und gelassen Araya kancho bei der Unterrichtung bleibt. Mich hat er im 2. Durchgang bei Sente seigan einfach so auf den Hosenbodedn gesetzt, weil mein rechtes Handgelenk zu fest war. Eine große Kunst, hart zu unterrichten, ohne hart zu sein :-)

In einem Auszug aus dem ersten großen Buch von O Sensei von 1932, welches wir uns bei einer Lecture diskutiert haben (leider schon seit Jahren vergriffen) heißt es:

"Moreover this sincere mind, which we call Yamato spirit, which is oneness resulting from the training of the sincere soul, Bujutsu takes as its purpose the building of the sincere man, possessing the spiritual oneness and unity which allows not the slightest opening between the body and the spirit." (hervorgehoben von mir)

Nicht die kleinste Öffnung zwischen Körper und Geist - Jissen (4. Serie) und v.a. Kassen (5. Serie) zeigt deine Öffnungen und lässt den Gegner bei hohem Druck ziemlich nackt aussehen.

Heute Nachmittag ist frei, ich mache einen Abstecher nach Harajuku und vielleicht ins Aikikai Hombu Dojo, wenn die Zeit noch reicht.

In Japan 3

Heute morgen sehr früh mit dem Bus von Tokio in die Präfektur Ibaraki gefahren, um den Kashima Schrein zu besuchen und dort auch zu trainieren. Das klingt wie eine Touristenfahrt - ist es aber in erster Linie nicht.








Im Animismus des Shinto gibt es zwei für die Kampfkunst wesentliche Kräfte. Die eine ist Aramitama, die andere ist Nigimitama. Nigimitama ist die Kraft, die uns freundlich, milde und beschützend stimmt - Aramitama ist die wilde Kraft, die uns kämpfen lässt. Aramitama ist aber auch die Kraft des Neuanfangs, der Geburt.




Kashima ist Aramitama gewidmet. - Da die gemeinschaftlichen Projektionen des Kashima shin ryu dies sehr unterstützen, ist Aramitama auch deutlich da. Ich habe dies jedenfalls stärker gespürt als bei meinem ersten Besuch.




Inaba Sensei's Training war dementsprechend auch sehr hart, zornig, verbrennend, ein Vorgeschmack auf die Gottheit, mit dem Hinweis, dass wir an diesem Ort nicht oberflächlich sein sollten - heißt ja sicher für jeden was anderes.





Nach dem Training im alten Holzdojo gings zu einem köstlichen Mittagessen, direkt an der berühmten Quelle im Schrein gelegen (sehr lecker) - dann sind wir durch engen Wege zum inneren Kashima Shrine gelaufen (wunderbare alte Bäume). Aoki sensei und Hashimoto sensei haben dort zwei schöne Schwertdemonstrationen dargeboten.

Anschließend fuhren wir mit dem Bus zum Strand (nur 10 min), um dort jeder ungefähr 1000 Hiebe in die Unendlichkeit des  Pazifischen Ozeans zu setzen (ich bestimmt mehr). Den Atem des Meeres spüren, hören lernen und dann damit in Kihon tachi. Klingt ein bisschen spacig, war aber sehr real und kraftvoll!

Während der 2 h Rückfahrt nach Hause wurden wir gebeten, unsere Eindrücke in kurzen Sätzen zum besten zu geben. Ich hatte eine merkwürdige, unpersönliche Stimmung, die ich Inaba versucht habe, in einem englischen, Haiku-artigen wieder zu geben (nicht öffentlich vorgetragen, zum Glück):

These old trees
Undefeatable spirit
The sound of the sea
Sensei's cut
Still have fear 
And sand between my toes

Na ja, Englisch ist ja nicht mein Muttersprache :-) Auf jeden Fall hat Inaba mehr verstanden von meiner Situation als wenn ich lange geredet hätte.
Jetzt, wieder zu Hause (im dormitory) habe ich richtig etwas Zeit, den Tag zusammenzufassen. Gehe jetzt noch aus und etwas essen.

Viel Spass ihr zu Hause!

In Japan 2

Montag gings los, der Jetlag-Tag. Die Szene ist immer ein bisschen surreal, den langen Weg vom Flughafen, mit viel Gepäck, mehrere Stationen wechseln, schweißgebadet ins Dojo, duschen, umziehen (Krawatte und Anzug), in den Schrein zur offiziellen Eröffnung des Lehrgangs. Eine mächte Trommel (5 Männer passen da rein) lässt einem das Bauchfell erzittern.

Dienstag, Mittwoch und Donnerstag waren die ersten Trainingstage, sehr intensiv und in gut abgestimmten Gruppen. Das ist zwar ein Lehrerlehrgang, aber auch wenn alle sehr erfahren sind, sind es doch ganz unterschiedliche Leute. Am Donnerstag gab es zwischen dem letzten beiden Trainings noch ein gemeinsames Schauen der neuen DVD-Reihe von Inaba Sensei (bringe ich nach Hause mit) - wo tatsächlich 90 % der Leute eingeschlafen sind, so müde waren wir!

Freitag (heute) war der erste day off. Morgens zum Imperial palace, wo wir die ganze Geschichte über den Nationalhelden Masashige erfahren haben, nachmittags im Yasukuni Schrein (wo die gefallen Kriegshelden "inshrined" sind) - die Japaner haben ja überhaupt kein gebrochenes Verhältnis zu ihrer kriegerischen Geschichte, die der deutschen in vielen Dingen nicht unähnlich ist.






Abends waren wir dann - nach einigem Gelaufe und Gefahre - zusammen auf einem kleinen Boot in Richtung Hafen geschippert. Es gab viele Köstlichkeiten und eine sehr ausgelassene Stimmung, während es langsam dunkel wurde. Bier und Sake und die diversen Karaokeeinlagen taten das Ihre dazu.




 Der neue Tokio Tower (Sky Tree) ist ja vor einer Woche eingeweiht worden (650 m etwa hoch) ist wirklich schön anzusehen. Er ist schon so etwas wie ein Symbol für die Japaner, dass sie sich durch die Ereignisse 2011 nicht unterkriegen lassen, dass sie ihre Zuversicht wieder zurückgewinnen und wieder hochkommen.




Samstag wartet eine außergewöhnliches Training mit Inaba Sensei und Araya Kancho (der sich leider etwas verletzt hat) auf uns: Kashima Jingu, die Wiege der Kashima Shin ryu. Aber jetzt gehts erst mal ins Bett, es geht sehr früh mit dem Bus los.







Thorsten in Japan

Ich habe zwar keine Kamera dabei - nur mein Handy - und auch kaum Zeit während des Lehrerlehrgangs hier in Tokio - aber es gibt ab und zu einen Internetzugang, da kann ich ein paar Sachen mit Euch teilen.


Seit dem 21. Mai bin ich mit 16 anderen Aikidolehrern und Instruktoren hier mitten in Tokio im Yoyogipark im Shiseikan Dojo von Inaba sensei. In dieser Reihenfolge: Tokio ist ja eine Riesenstadt, der Yoyogipark einer der größten und schönsten, stets voll von schwarzen Raben, die sich hier laut krächzend Geschichten erzählen.

Im Park selbst, in den man durch vier große Toris gelangt, gibt es einen inneren Bezirk mit dem eigentlichen Meiji Schrein, zu dem auch das Shiseikan Dojo gehört, wo unser Lehrgang stattfindet. Ein bedeutsamer und sehr schöner Ort.



Unser Training hier ist sehr anstrengend, ungewöhnlich eigentlich, denn bisher waren die Lehrgänge eigentlich etwas "luftiger", will heißen, es gab auch etwas Zeit zwischendurch. Dafür ist der Lehrgang umso schöner!

Wenn wieder etwas Zeit ist, schreibe ich wieder ein paar Zeilen, jetzt erst mal anziehen, Frühstück und ins Dojo.

PS: Von Mirjam habe ich erfahren, dass im Dojo alles gut läuft!


Kazuaki Tanahashi am 19. Juni 2012


Remembering O' Sensei - heißt der Abend mit Kazuaki Tanahashi im Frankfurt SEISHINKAI.

Kazuaki ist tatsächlich ein noch lebender direkter Schüler von Moreihei Ueshiba, dem Gründer des Aikido.
Kaz begann 1947 im Alter von 13 Jahren bei O' Sensei Aikido zu studieren! Er wird von seiner Zeit mit O' Sensei berichten, Kalligraphien anfertigen und einfach mit uns zusammen sein.

Kazuaki Tanahashi, born and trained in Japan and active in the United States since 1977, has had solo exhibitions of his calligraphic paintings internationally. He has taught East Asian calligraphy at eight international conferences of calligraphy and lettering arts. Also a peace and environmental worker for decades, he is a Fellow of the World Academy of Art and Science.

Kaz hat die Stiftung "World without armies" gegründet und wird den Erlös durch den Verkauf von Kalligraphien, die an diesem Abend erstellt und vielleicht verkauft werden, der Stiftung zuführen.

Der Eintritt ist frei.

Die Anmeldeliste für den Abend ist ab jetzt freigegeben. Wenn der Andrang zu groß wird - was zu erwarten ist - werden die Plätze verlost :-) Bitte macht das Event in Euren Dojos und im Bekanntenkreis rechtzeitig bekannt.

Wir freuen uns auf einen außergewöhnlichen Abend. Bei Fragen hierzu wendet Euch bitte an die Organisatorin des Events, Karin Herbert.

Karate

Der Cheftrainer des Kyokushin Karate Deutschland,

Slawomir Urbanczyk, 4. Dan,

leitet das Karatetraining im SEISHINKAI

ab Mai 2012 offiziell.

Näheres hierzu bald auch auf dieser Seite.