In Japan 5

Sonntag Nachmittag und Abend war frei - ich habe erst mal lange im Onzen (heißes Bad) gelegen, ein bisschen ausgeruht, an diesem Blog geschrieben  und habe mich dann auf den Weg nach Harajuku gemacht. Das ist eines der an den Yoyogipark angrenzenden Viertel mit Sonntags ziemlich vielen Leuten.

Hier sieht man die rebellierende Jugend Japans. Sie verkleiden sich gerne, so lange, bis sie im normalen Job stehen. Dann ist offiziell Schluss mit "Ekstase".

Die Japaner lieben das Puppenhafte, im Gegensatz zu den Leuten im Schrein. Es ist wie eine andere Welt.

Wobei die Welt außerhalb des Schrein schon größer ist - hier sieht man den Omotesando, eine beliebte Flaniermeile in Harajuku. Über diese Kreuzung gehe ich gleich in ein Kaufhaus  ...











Was diese Leute wohl bewegt? Japan ist  westlicher als der Westen (wenn es um den Kommerz geht) - andererseits ist es auch total anders (wenn es um die Religion geht). Könnt íhr euch vorstellen, dass hier in diesem Verkaufsbunker Gott wohnt? Wenn es ihn gibt, ist er überall ....

Man erkennt das kaum, es ist eine Rolltreppe in einer Eingangshalle, die mit gebrochenen Spiegeln  verkleidet ist. Dadurch werden die vielen Leute noch mal vervielfacht. Vielleicht wird euch beim Zuschauen ein bisschen so schwindelig, wie mir schwindelig wurde.

Mittlerweile wird es langsam dunkel, meine Einkäufe habe ich hinter mir, den Hunger in einem Kaiten Sushi in Shinjuku gestillt. Kaiten Sushi ist eines Lokal, in dem sich auf einem Minifließband kleine Teller mit frischen Sushi um eine Theke bewegen. Man nimmt sich die Teller, die man haben will (haben alle unterschiedliche Muster, je nach Preis), am Ende wird zusammengerechnet. War gar nicht so teuer :-)

Dies ist eine der Hauptstraßen von Shinjuku. Der Shinjuku Bahnhof ist glaube ich der größte Bahnhof der Welt! Hier findet man sich normalerweise nicht zurecht. ist völlig irre, wieviel Leute hier unter der Erde zu den verschiedenen Gleisen schieben. Ihr kennt vielleicht Bilder von Tokios U-Bahnen aus den 7-er Jahren, wo Bedienstete die Leute in die Waggons schieben. So war es heute Abend auch - nur ohne Bedienstete. Das haben wir alleine hingekriegt.

Dies ist der Eingang ins Vergnügungsviertel Shinjuku's. Es ist ungefähr so wie in Frankfurt. Die Banken liegen direkt am Rotlicht - nur ist hier alles 10 Mal größer. Und Shinjuku mit seinen paar Millionen ist ja nur ein Stadtteil Tokios. Tokio soll im Moment mit Eingemeindungen 42 Millionen Leute "beherbergen".

Ich bin nicht ohne Grund nach Shinjuku gefahren, an meinem einzigen freien Nachmittag. Die Idee war, die alten Wege noch einmal abzulaufen, die ich schon unzählige Male zum Hombu Dojo Aikikai gelaufen bin, immer von verschiedenen Hotels aus. Ich wollte sehen, ob sich was verändert hat, und ob ich den Weg überhaupt noch finde ...

Ah! Dies ist der Weg, den ich immer so gerne gegangen bin. Überraschenderweise biegt man mitten aus der belebten Hauptstraße  durch ein kleines Tori in diesen charmanten Weg ein, der führt dann ziemlich immer geradeaus, am Subways und am Freshnes Burger vorbei, ins Hombu Dojo ...


Und hier ist das Haus der Familie Ueshiba, direkt neben dem Hombu Dojo Aikikai, im Wakamatsu Weg. Sonntag Abend ist hier nichts los, alles zu. Es kommt mir alles deutlich kleiner vor als früher.

Zum Schluss meines kleinen Spaziergangs nehme ich noch einen echten Milchkaffe im Freshnessburger, wie früher ... -

Morgen üben wir mit dem Shinken, scharfes Schwert. Ich freue mich riesig, das ist wieder ein Höhepunkt des Lehrgangs. Nach all dem Trubel kann ich nichts mehr als eine Zuspitzung gebrauchen.



In der ersten Häflte meines Lebens dreht die Suche im Aikido nach außen, in der zweiten Hälfte dreht sie nach innen. Ich kann alles betrachten, was ich bis jetzt getan und gelassen habe und aus einer eigenen Mitte heraus sagen: es ist ok. Ein gutes Gefühl.