Aikidoseminar in Brandbu

Wie eigentlich bei jeder Begegnung mit den Aikidoka in Brandbu / Norwegen bin ich sehr berührt von ihrer Aufmerksamkeit und Lernbereitschaft.

Die Schüler in diesem einzigartigen Aikido Internat haben ein Jahr Zeit, ihr Leben neu zu ordnen, wenn nötig,  und Kraft zu sammeln für die ersten Jahre nach der Schule: In welche Richtung soll das Leben gehen? Nicht nur beruflich, viel essentieller: Wie tief will ich mich einmischen, wie weit will ich draußen bleiben? Was erwarte ich vom Leben, und was erwarten die anderen (in meinem Kopf) von meinem Leben?

Es ist da nicht überraschend, dass Berufsfragen in diesem Kontext nur eine untergeordnete Rolle spielen. Der Übungsraum ist weitgehend frei von den ledernen Bandagen des Mainstream. Das tägliche Keiko (ganzheitliche Übung des Aikido) wirkt unter diesen Bedingungen wie ein mächtiger existenzieller Hebel.

Vorausgesetzt, die Leute lassen sich auf die Arbeit ein, selbstverständlich. Ich habe mittlerweile schon einige Menschen getroffen (und nicht nur in Brandbu!), die durch ihr persönliches Training dort verstanden haben, auf was es für sie in diesem Leben ankommt. Stetig bewegen sie sich weiter auf ihrem Weg weg vom Unglück...

Nebenbei: Wenn das Unglück fehlt, ist es dann Glück? - Das Eigenartige am Glück ist ja, dass, wenn wir darüber reden, die Situation, in der wir Glück empfunden zu haben glauben, schon längst wieder vorbei ist. Und dass wir in dieser Situation keine Zeit fanden, an das Glück zu denken!

So wie die Rede vom Unglück kann auch die Rede vom Glück nicht  beschreiben, was im Aikido vor sich geht. Sie packt das Wesentliche, das Bewegende in eine Box und verniedlicht es. Aikido ist nur im Tun, im Moment.