In Oslo Oktober 2012

Ich kenne Oslo im Sommer und im Winter. Im Herbst - bei diesem Besuch hat es viel geregnet - schwillt der Bach, der direkt am Dojo vorbeifließt, zu einem reißenden, donnernden Fluss an.

Noch nie waren bei einem Wochenendlehrgang kontinuierlich so viele Leute zu Besuch wie in diesem Jahr. Man musste schon aufpassen, und vor allem bei der stickigen Luft und den vielen Leuten die Tür nach draußen offen halten - nur dass ich dann kaum mein eigenes Wort verstand.

Die Kinder hier, habe ich gehört, meditieren gerne zu dem tosenden Lärm - erstaunlich auf den ersten Blick. Aber wenn man genauer darüber nachdenkt, eigentlich klar: Da draußen, das ist der Lärm einer größeren Natur; da fühlt es sich nicht gut an, zusätzlichen Lärm zu machen.

"What comes up must come down". Bald schon werden die Regenfälle aufhören und in Schnee übergehen. Erst die Schneeschmelze im Frühjahr wird die Wasser wieder über die Ufer treten lassen. Der Fluss wird  bald wieder leiser werden. -

Doch jetzt, während ich dieses Seminar halte, mit diesen inspirierenden Leuten, lasse ich es schon jetzt schneien, fühle eine außerordentliche Stille in mir und eine kristalline Präzision im Ausdruck.

Dieser Fluss ist in gewisser Weise stärker als ich: Ich hatte ganz andere Dinge vor zu unterrichten. - Tatsächlich geht es um Shomen uchi und Yokomen uchi, diese zwei fetten Brocken, um die wir immer wieder herumspülen. Wie kann man die Angriffe von außen aufnehmen, wie kann man direkt in sie hineingehen - und dabei mit dem gleichen Geist voranschreiten?

Es gab abends beim Dinner eine lebhafte Diskussion darüber, ob im Aikido das Ausweichen und Mitgehen eigentlich vorherrschen muss, und welchen Stellenwert das Eintreten überhaupt hat. - Diese beiden Prinzipien sollten sich meiner Meinung nach im Aikido ständig ausgleichen.