Passagenvorbereitungen

Die Winterpassagen 2012/2013 finden - wie Ihr wisst - zusammen mit dem Intensivlehrgang Aikido am 12-13 Januar statt.

Wer sich vorgenommen hat, eine Passage zu machen bzw. sich noch unklar ist, möge bitte mit mir sprechen. Wir werden auf Fragen bereits in der nächsten Woche eingehen, v.a. aber in der ersten und zweiten Januarwoche AN JEDEM TAG individuelles Kyu-Vorbereitungstraining in Frankfurt machen.

Das Training beginnt im neuen Jahr am Mittwoch, den 2. Januar. Wir haben also noch 9 öffentliche Vorbereitungsstunden


Eine Klinge schmieden...

Sommer 2012, Hirschegg – neben vielen menschlichen Begegnungen und einem anregenden Training gab es auch viel philosophischen Input, Saatkörner zum Weiterdenken. Inspiriert von der Dokumentation über Heidegger und das „kreative in die Welt Bringen“ wollte ich mal wieder etwas mit meinen Händen machen, etwas anderes als eine Computermaus über den Schreibtisch schieben... und entschied mich für einen Workshop, ein Damastmesser zu schmieden.



Es ist düster in der Schmiede und heiß. Die gestapelten Stahlplatten liegen im Feuer. Man muss die richtige Temperatur erkennen, die harten und weichen Lagen verschweissen, schmieden. Es ist meditativ – warten, bis der Stahl die richtige Farbe hat, dann schnell und konzentriert an den mechanischen Hämmern schmieden, schweisstreibende körperliche Arbeit trotz Maschine. Präzision ist gefragt, dem Stahl die richtige Form geben, die weichen Lagen nicht verschieben.

Dann wieder warten. Drei mal wird der Stahl ausgeschmiedet, abgekühlt, poliert, in Stücke geschnitten, gestapelt, und wieder ins Feuer gelegt. So werden die zwei Stähle – zwei Qualitäten, die eine hart und spröde, die andere weich und zäh – miteinander verbunden. Durch den Prozess winden sich die Lagen ineinander, ihre Individualität erhaltend und dennoch unlösbar verbunden,

zusammen eine neue Qualität bildend. Die Klinge wird hart sein, und gleichzeitig elastisch.Diese Art der Verbindung, individuell UND verbunden, ist essentiell. Wenn man nicht aufmerksam ist, wenn der Stahl zu heiß wird, zu lange im Feuer liegt, schmelzen die Lagen zusammen. Ihre gegensätzlichen Qualitäten gleichen sich aus – ins Mittelmaß. Die Klinge wäre weder richtig hart, noch richtig flexibel, wäre unbrauchbar. Und ich frage mich, wie können wir Menschen unsere individuellen Qualitäten, die doch so unterschiedlich sind, in etwas Gemeinsames geben, ohne diese Individualität aufzugeben und in ein Mittelmaß zu verschmelzen?

Denn gerade in dem Ineinander-verwinden, -verschmieden, -verbinden entsteht ja eine weitere Qualität, eine neue Individualität. Kein Damast gleicht dem anderen. Wie bei Holz hat jeder sein einzigartiges Muster, gleichsam eingeprägt ist die Erinnerung an den Prozess des Ineinander-Faltens der Lagen. Ein Damszenermesser ist nützlich und ästhetisch und individuell. Später, ganz am Ende des Prozesses, wird die Klinge geätzt, wird die schon im gefalteten Stahl enthaltene Schönheit herausgehoben, entwickelt, ans Licht gebracht.

Doch vorher muss dem rechteckigen Stück Metall die Form gegeben werden. Einen ganzen Tag schleifen wir, Lage für Lage, überschüssiges Material ab. Viel Fingerspitzengefühl ist gefragt, damit nicht zu viel und nicht zu wenig Material weggenommen wird. Immer wieder greift der Schmied ein – das kann man nicht an einem Wochenende lernen – viel Übung ist notwendig, um den richtigen Winkel, das richtige Maß an Druck zu treffen. Meine Gedanken schweifen, ich sinniere über das Herausschleifen der Klinge aus dem Metallriegel – ist das nicht auch so ähnlich beim Training? 

Wir lernen neue Bewegungen, na klar. Aber wird nicht vielmehr viel an alten, unnützen Bewegungen „abgeschliffen“, Lage für Lage, um eine ursprüngliche Form heraus zu arbeiten? Wie ist das mit der Entwicklung in unserem Leben? Entwickeln wir Eigenschaften oder legen wir etwas frei, etwas, das schon immer in uns war, verborgen unter den Schichten von Erlernten und Erworbenen? Und: wie viel Messer war denn schon in dem Metallriegel, bevor ich mich entschieden habe, genau dieses Messer, dieses einzigartige, aus der Form heraus zu holen?

Mittlerweile sitzen wir auf Stühlen im Garten, zwischen den Bienenstöcken, trinken Kaffee und schleifen die Holzgriffe in Form – 60ziger – 120ziger – 240ziger – 320ziger Körnung. Ich habe ein dunkles, rotes Holz aus Südamerika gewählt, ein Holz mit wenig Maserung. Der Griff soll harmonisch zur Klinge passen, das Muster des Damast unterstreichen, ohne selbst zu dominant zu sein. Nur, wie entscheidet man das, wenn der Damast noch nicht im Säurebad entwickelt ist?

Es ist ein schöner Platz hier, ein Platz zum Ausstieg. Jan, der Schmied hatte Bankkaufmann gelernt, ehe er sich entschieden hat, auszusteigen und ein Handwerk zu lernen. Er lebt fast autonom hier im Mecklenburgischen, hat Landwirtschaft, eine Kuh, die Bienenstöcke. Und er kann davon leben, Messer zu schmieden...

Der Griff ist schnell montiert, ein letztes Polieren mit feinstem Korn – das Schärfen überlasse ich dem Fachmann. Und dann halte ich es in den Händen, mein Messer. Ich habe mit meinen Händen, meiner Kreativität und basierend auf jahrhundertealtem Wissen etwas in sich Einzigartiges in die Welt gebracht – einen nützlichen Gegenstand, der schön ist.  

Alexander Madl

Winterferien 2012/2013

Das letzte offizielle Training im Jahr ist am 21. Dezember. Von Samstag, den 22. Dezember bis einschließlich Dienstag, den 1. Januar ist der SEISHINKAI geschlossen.

Das erste Training im neuen Jahr ist am Mittwoch, den 2. Januar 19.00 Uhr (normaler Stundenplan).

Wenn Ihr frei trainieren wollt zwischen den Jahren, seid eingeladen. Es gibt ja genügend Leute mit Schlüssel. Ich schlage vor, dass wir für freies Training eine Liste im Schwarzen Brett aufmachen.

Stilles Training - statt Weihnachtsfeier: 21. Dezember

Wir haben so viele Weihnachtsfeiern in der Regel, im Monat Dezember. Unsere waren bisher nicht schlecht, es ist sehr nett, beieinander zu sitzen, zu essen und zu trinken -

doch ein gemeinsames Training in Stille geht tiefer und passt zum Datum 21. Dezember: der Wintersonnenwende. Dies ist der dunkelste Tag des Jahres, wir vermissen das Licht - nicht nur das äußere, sondern auch das innere Licht.

Das innere Licht schenken wir uns gegenseitig, in gemeinsamer Hingabe im Training. Es ist schön, wenn sich das kleine Ich im Training verliert und darum der Himmel unser Keiko einhüllt, der Horizont mit dem Nordstern tanzt.

Aikido ist keine Religion im exoterischen Sinne, es gibt keine Behörde. Strukturen sind kein Selbstzweck, sondern Fahrzeug, Mittel zum Zweck. Wo fahren wir hin? Wir müssen es nicht immer wissen, solange wir in der Passage schwimmen und nicht untergehen.

Für Freitag, den 21. Dezember 2012 20.00 bis 21.00 Uhr laden jeden Aikidoka ein, der kommen möchte zum stillen Training. Wir werden eine verbindliche Anmeldeliste ausgeben. Das Training ist begrenzt auf 30 TeilnehmerInnen und ist kostenlos.

Die Tür des SEISHINKAI wird um 19.45 Uhr geschlossen. Bitte klingelt nicht, wenn Ihr zu spät kommt, sondern geht wieder nach Hause. Seid am besten um 19.30 Uhr da, damit wir uns entsprechend vorbereiten können.  Dieses eine Mal im Jahr wollen wir in Würde den Alltag vollständig draußen lassen.

Das Training leitet Thorsten Schoo Sensei.

PS: Das normale Erwachsenentraining 18.15 Uhr bis 19.45 Uhr fällt aus. Wir brauchen die Zeit, um das Dojo vorzubereiten und zu reinigen. Auch hierfür gibt es eine Teilnehmerliste, in die Ihr Euch eintragen könnt.

Aikido mit mir selbst oder: So macht mir Meditation endlich Spaß!

Das Unbewusste hat ja Humor. Es produziert tolle Bilder, ein inneres Kino, das ich mir gern ansehe. Jedenfalls dann, wenn ich eine Methode zur Meditation nutze, die bei mir bisher tiefergehend wirkte als Stillsitzen und Atemzüge zählen: „Den Dämonen Nahrung geben“, die Methode wird im gleichnamigen Buch von Tsültrim Allione ausführlich beschrieben. „Dämonen“, das sind unsere inneren und äußeren Angreifer - das Kopfweh, das Suchtverhalten, die Angst oder der Krebstumor, aber auch der fiese Chef, die zerstrittene Schwester, der ums Kind zankende Ex-Gatte. Sie plagen uns und machen uns im schlimmsten Fall das Leben zur Hölle. Mit ihnen allen können wir in unserem Inneren, meditierend, Aikido praktizieren, indem wir ihnen etwas anderes geben als sonst oft: Zuwendung, Verständnis, Hingabe an das was sie brauchen. Es kostet uns nichts als etwa 30 Minuten Zeit. Es gibt nichts zu verlieren, aber viel an Einsicht, Ruhe und Liebe zu gewinnen.

In der Meditation stellen wir uns sehr bildlich „jenes Schlimme“ als einen Dämon mit Körper, Gesicht und Augen vor. Wir fragen: Was willst Du von mir? Was brauchst Du von mir? Wie wirst Du Dich fühlen, wenn Du bekommen hast, was Du brauchst? In der Meditation schlüpfen wir in die Rolle des Dämons und geben selbst die Antworten, die häufig überraschend sind. Zentral ist dann, den „Dämon“ zu füttern. Wir verwandeln in der Vorstellung unseren eigenen Körper in einen Nektar aus dem Gefühl, nach dem der Dämon sich sehnt und nähren ihn damit, bis er verschwindet: ein Bad aus Leichtigkeit, wenn er sich gern leicht fühlen möchte, oder eine Woge aus Liebe, wenn er sich geliebt fühlen möchte. Wir visualisieren auch eine verbündete Figur, die wir u.a. fragen, welche Unterstützung sie uns gibt und wie wir sie rufen können. Und in der Rolle des Verbündeten geben wir auch die Antwort. Das anschließend empfohlene „Ruhen im Gewahrsein“ als letzter Schritt des Vorgehens fällt mir nach all diesen Bildern viel leichter als andere, früher erprobte Meditationsweisen.

Mein innerer Konflikt ist dann nämlich auf symbolischer Ebene bereits bearbeitet, und ich habe Zeit, wirklichen Frieden zu erleben. Davor begegne ich skurrilen, bemitleidenswerten, fiesen oder witzigen Figuren. Und erhalte verblüffende Einsichten, zu denen ich kaum alleine auf rationalem Weg gekommen wäre. Mein erster Versuch mit dem Dämonenfüttern galt meiner Angst vor einem schwierigen Gespräch. Die Inhalte dieser ersten Meditation erinnere ich nicht mehr, aber deren Resultat: Ich war voller Liebe und Fröhlichkeit, als ich zu dem Gespräch fuhr, ich hätte laut singen mögen! Das Gespräch verlief schwierig, und ich blieb in dieser liebevollen und frohen Haltung und bewältigte es gut. Von meiner Angst befreit, verstand ich nun die Angst der Gesprächspartnerin, und wir fanden in weiteren Gesprächen zu einer Lösung.

Spätere Dämonenfütterungen waren in ihrer Wirkung anders, oft sanfter, immer entstand aber Klärung, kam eine Anregung, spürte ich leichteres Atmen, ein befreites Körpergefühl. Neben diesem guten Nachklang lockt mich immer wieder die bunte Bilderfülle, die mich jedes Mal mit etwas Neuem überrascht, und die mir anschließend reichlich Stoff zum Nachdenken, Deuten und oft auch zum Schmunzeln bietet. Sie wirkt wie ein Versprechen, mich dem zuzuwenden, was mich bedrückt, statt davor zu fliehen. Was mir eben noch als Feind erscheint, das offenbart mir wichtige Botschaften. Plötzlich meditiere ich gern.   
Vera Jost