Lehrgang mit Philippe Orban

Das Jahr beginnt gleich mit einem tollen Lehrgang (davon könnt Ihr ausgehen) mit Philippe Orban, 6. Dan aus Leipzig.

Einige kennen Philippe schon vom letzten Mal, einige sogar schon ganz lange - denn er war direkter Schüler von Christian Tissier und hat lange Zeit im Pariser Dojo gelebt und gearbeitet, bevor er sein eigenes Dojo in Deutschland aufgemacht hat.

Philippes Aikido hat sich seither sehr entwickelt, überhaupt ist es eines seiner Merkmale, dass er in der Entwicklung nie stehen bleibt. Was uns verbindet, sind natürlich die gemeinsamen tiefen Wurzeln im Cercle Tissier, die Liebe zum Ken-Jutsu und zu den Waffen überhaupt und, nicht zuletzt, der Einfluss von Inaba Sensei's Budo.

Es gibt also außerordentliche viele Berührungspunkte bei erkennbaren kreativen Unterschieden - ich freue mich sehr auf diesen Auftakt und hoffe, dass Ihr zahlreich kommt!




Das neue Jahr beginnt mit Ken-Jutsu am Sonntag, den 5. Januar


Labyrinth Meditation, Alexander Madl


Es ist ein seltsames Gefühl, durch die verschlungen Pfade dieses Labyrinths zum Ziel zu gehen. Man kann das Ziel, den kleine "Altar" mit Andenken der Touristen, sehen, aber man kann es auf direkten Wege nicht erreichen. Man umkreist es, immer wieder. Die Steine, die Linien zu übertreten, wie es einige tun, gilt nicht. Langsam, in Schleifen nähert man sich dem Ziel. Bald ist man ganz nahe - und dann wieder weit weg.

Geduld, meditatives Gehen. Das Ziel vor Augen, gehen… Das Ziel nicht aus den Augen lassen, trotz aller Schleifen, die das Leben uns aufgibt. Die Spirale führt zum Mittelpunkt, unweigerlich…














angeregt durch ein Stein-Labyrinth am Aussichtspunkt zur Golden Gate Bridge


Schließe den Gegner ein - statt aus

Eine der für mich wesentlichen Dinge auf dem wunderbar privilegierten Lehrgang, den wir mit Bjoern Eirik Olsen genießen durften, war dieses aus der Bewegung heraus entstandene Bild: Schließe die Welt nicht aus (den Angreifer als "Objekt da draußen" überhaupt erst stark werden lassen) - sondern schließe ihn ein als Teil deiner Welt (the big bubble, in dem alles ist).

Bjoern Eirik hat es auch gesagt, den Gegner "da draußen" gibt es eigentlich gar nicht, wir erschaffen ihn erst, indem wir unsere Aufmerksamkeit auf ihn als "Gegner" lenken.

The big bubble, für mich eine neue und schöne Metapher für das erweiterte Raumbewusstsein, von dem ich desöfteren spreche. - Ich möchte an dieser Stelle noch einmal weitergeben, wie wohl sich Olsen Sensei im SEISHINKAI gefühlt hat. Eure Aufmerksamkeit hat ihn ja geradezu zu immer neue Informationsfluten verführt! Und er hat die äußere Zeit vergessen. Ein schöner, verbindender Moment.

Ein großes Dankeschön auch noch mal öffentlich an den Vorstand des Seishinkai Aikido Deutschland und an die Geschäftsführung des Frankfurt Seishinkai, die Veranstaltung die die Veranstaltung einerseits durch Verzicht auf Raummiete und andererseits durch aktive finanzielle Unterstützung ermöglicht haben. - Es ist absolut ungewöhnlich, eine Veranstaltung dieser Art mit einer handverlesenen Anzahl von TeilnehmerInnen durchzuführen.



Thorsten Schoo

Reisebericht über Zehn Tage „Leaders‘ Seminar 2013“ im Shiseikan-Dojo, Tokio

Eigentlich hatte ich ja versprochen von unterwegs zu berichten, aber unser tägliches Programm war so dicht gestaltet, dass es kaum frei verfügbare Zeit gab, etwas Anständiges zu schreiben.
Es war jedenfalls ein sehr wertvoller Aufenthalt. Das Seminar war sehr sorgfältig vorbereitet. Die Inhalte und das Training haben sich zu einem runden Ganzen verdichtet, das mir für meine künftigen Studien reichhaltige Anregungen bieten wird. Die Gastfreundschaft des Shiseikan war zudem mehr als großzügig.

Ich hatte in Tokio ähnlich kalte Temperaturen erwartet, wie wir sie hier in Deutschland um diese Jahreszeit haben. Wir waren jedoch die ganzen zehn Tage mit äußerst mildem und sonnigen Wetter gesegnet, so dass wir unsere kurzen Mittagspausen zumeist draußen im Yoyogi-Park verbringen konnten.

Neben offiziellen Besuchen im Meiji-Schrein und der Teilnahme an Niiname Sai, dem japanischen Erntedankfest, dem in Japan noch immer ein hoher Stellenwert beigemessen wird, haben wir an Misogi, einem sehr wichtigen shintoistischen Ritual zur spirituellen Reinigung teilgenommen.
Misogi kann in seinen Handlungen zwar beschrieben werden, sein Zweck lässt sich jedoch nur durch eigene Erfahrung erschließen.
Ich habe den Eindruck, dass mir durch das Misogi ein Einblick in ein tieferes Verständnis des Budo eröffnet worden ist, der mein Training bereichern wird.

Das Seminar enthielt einen nicht zu vernachlässigenden Anteil an theoretischem Unterricht – sogar unter Verwendung einer Tafel zur Veranschaulichung von bestimmten Ideen – Exkursionen und selbstverständlich natürlich auch körperlichem Training. Taijutsu und Kenjutsu wurden dabei nicht getrennt.

Ein sehr wichtiger Abschnitt des Seminars war sicherlich die Exkursion zum Mitake-San (Berg Mitake), um uns dort dem Misogi zu unterziehen. Am Vorabend haben wir dort im Musashi-Schrein einem Kagura-Tanz beigewohnt, einer sehr alten Form des rituellen Tanzes, wie er von den Priestern des Schreins einmal monatlich zur Erbauung des dort verehrten Kami vorgeführt wird. In dem schlichten, mit Reisstrohmatten ausgestatteten Raum vor der Bühne, wo wir zusammen mit der „Gemeinde“ des Ortes, der Vorführung beiwohnten, erlebte ich eine Art Einkehr in das allgemein Menschliche, das sich in seinem jeweiligen kulturellen Ausdruck zwar unterscheidet, in unserem Streben nach Kontakt und Rückverbindung mit den uns umgebenden Größeren Wirkmächten, als Menschheit jedoch universell vereint.

Während die Kostüme des Kagura, prachtvoll und vornehm gestaltet, für den europäischen Geschmack keine weitere Herausforderung darstellen, ist der Tanz, in Darstellung und Bewegung sehr sparsam, schon weiter von europäischen Vorstellungen entfernt. Ebenso der Gesang und die Musik, die lediglich aus Trommeln, Flöten und einer Art intoniertem Sprechgesang bestanden. Mir scheint, dass diese Musik noch sehr deutlich ihre Herkunft aus der schamanischen Beschwörungen zeigt.
Am Tag des Misogi sind wir recht früh aufgestanden und eine längere Strecke an den Berghängen des übrigens sehr steilen Berges entlang gelaufen bis zu dem geheiligten Wasserfall, wo wir uns schließlich dem Misogi unterzogen haben. Insbesondere der Hinweg durch zwar kultivierte, aber recht ungestörte Natur, war eine wichtige Vorbereitung auf das Misogi.

Nach einer abschließenden "Weihe" im Schrein bei unserer Rückkehr und einem ordentlichen japanischen Frühstück sind wir dann noch einmal schnell in strammem Tempo auf einen Nachbargipfel des Mitake-San, den Otake-San, gestiegen und wurden mit einem wunderbaren Blick auf den Fujisan belohnt. Die Gruppe, die schon zu Beginn in zwei Gruppen mit unterschiedlichem Aufstiegstempo aufgeteilt worden war, ist im Verlauf des Aufstiegs tatsächlich noch einmal zerfallen, weil Araya-Kancho einen wirklich anspruchsvollen Schritt vorgegeben hat. Meine körperliche Verfassung war erfreulicherweise gut genug, dass die Tour eine gut annehmbare Herausforderung darstellte.


Die beiden Tage der Misogi-Exkursion waren auch ansonsten eine intensive Begegnung mit sehr japanischen Dingen. So haben wir in einer Herberge übernachtet, deren Räume klassisch aus Shojis und Wandschränken gebaut waren, ausgestattet mit Futons zum Schlafen, zum Essen flache Tische an denen man in Seiza sitzen muss. Wir wurden mit hervorragenden Speisen bewirtet, nicht nur Sashimi, Sushi, Miso-Suppe, etc, sondern auch mit vielen interessanten, leckeren Gerichten, deren Namen ich nicht kenne. Alle Gerichte waren mit viel Sorgfalt gestaltet, und wurden in einem recht freien Ablauf aus Süß und allen anderen denkbaren, auch ungewohnten Geschmäcken serviert.

Gefallen hat mir neben der liebevollen Achtsamkeit, mit der im Prinzip wirklich Alles gestaltet oder zubereitet wurde, auch das gegenseitige Einschänken der Getränke. Überhaupt werden viele der ausgewählt achtsamen Verhaltensweisen in der japanischen Kultur in den Reiseberichten dorthin gereister Westler viel zu sehr als schwierige Momente gegenseitiger Beschämung stilisiert. Das kann ich so nicht erkennen. Ob es nun das erwähnte gegenseitige Einschänken war, das grundsätzliche Betreten der Häuser ohne Schuhe, das Anziehen der bereit gestellten Toilettenpantoffeln, das ausführliche Reinigen des eigenen Körpers vor Betreten des gemeinsamen (heißen) Bades, etc. All diese Regeln erhöhen den Komfort, zeigen eine Kultur der gegenseitigen Achtsamkeit und Harmonie, und man kann auch als Europäer recht leicht damit umgehen, wenn man selbst ein wenig Achtsamkeit und Aufmerksamkeit investiert. Kleine Fehler werden leicht ausgeglichen durch die Bereitschaft der Japaner, Ausländern ihre Unkenntnis zu vergeben. Möglicherweise ändert sich das, wenn man länger in Japan bleibt, aber für einen kurzen Aufenthalt kann man diese Kultur der Achtsamkeit ohne Umstände einfach schätzen, bewundern, genießen.

Auch während der folgenden Tage unseres Aufenthalts, die wir hauptsächlich trainierend und lernend im Shiseikan verbrachten, konnten wir uns weiterhin abends in einem japanischen Bad erholen, denn wir waren auch in Tokio in einem japanischen Hotel untergebracht. Oft genug waren wir abends auch so erschöpft, dass wir diese Möglichkeit sehr geschätzt und genutzt haben.

Viele der Eindrücke und Erlebnisse habe ich trotz der inzwischen schon ordentlichen Länge dieses Artikels nicht erwähnen können. Viele Anregungen wirken noch intensiv nach. Viele Aspekte sind zu wertvoll, um sie in einem kurzen Satz abzuhaken. Wenn es die Umstände erlauben, werde ich sie in der folgenden Zeit in kürzeren thematisch gebundenen Artikeln hier posten.


Mirjam

Nächstes Wochenende Bjoern Eirik Olsen Shihan im SEISHINKAI

Am Wochenende Samstag Sonntag, den 14.-15. Dezember ist es soweit: Bjoern Eirik Olsen aus Tromsoe/Norwegen ist im SEISHINKAI zu Gast!

Der Lehrgang beginnt am Samstag um 11 Uhr und endet um 19 Uhr. In der Mittagspause gehen wir gemeinsam etwas essen. Dies ist eine schöne Gelegenheit, Bjoern Eirik auch im Gespräch besser kennenzulernen. Am Sonntag geht das Training von 10-13 Uhr.

Jugendliche bis einschließlich 18 Jahre bekommen Einlass zu 50 % !


Die Bewegung anhalten - von Alexander Madl



Die Bewegung anhalten, wie geht das? Ruhig werden, in dieser hektischen Zeit, in dieser Fülle an Verführungen, Angeboten, Aufgaben, Projekten, Möglichkeiten, Verpflichtungen, wie geht das? Wie kann ich ruhig werden, die Bewegung anhalten, und doch nicht bewegungslos sein, träge mich treiben lassen?

Die Schwertspitze kreist, aus der Hüfte heraus. Aus der Erde heraus eigentlich, über die fest in der Erde verwurzelten - und doch leicht beweglichen - Füße über das Zentrum in die Schwertspitze, so sollte die Energie fliessen. Nicht durch Muskelkraft, nicht über den Schultergürtel bewegt… Dann werden die Kreise immer kleiner, unsichtbar, bis die Schwertspitze langsam fällt. Grundposition. Ganz ruhig sein, bereit. Aber die Bewegung in der Schwertspitze ist immer noch fühlbar, ist innerlich, unendlich.

Wie kann ich also ruhig werden, wie die Bewegung anhalten? Eine große Frage für mich. Ich, der immer in Bewegung ist, immer viele Bälle gleichzeitig in der Luft zu halten versucht… Beruf, Aikido, Tango, Motorrad, Fotografie… 1000 andere Dinge. Soviel spannendes gibt es zu entdecken - jeden Tag, jede Minute. Wie soll ich da ruhig werden? Unter anderem auch deshalb habe ich diesen radikalen Bruch provoziert, die Auszeit genommen. Auszeit von all diesen kleine und großen Projekten. Ja, aber - wie ruhig werden auf einer Reise? Wie ruhig werden, wenn man permanent unterwegs ist, wenn nichts sicher ist? Ich denke, gerade darum geht es, die äußere Bewegung anhalten, die Kreise immer kleiner machen, damit die Schwingung innen immer weiter werden kann, unendlich. Oder, im Umkehrschuss, innerlich ruhig werden, die innere Unruhe anhalten, in der äußeren Bewegung.

Die Reise, das Unterwegs-sein ist gleichzeitig Reduktion und Vervielfachung der Bewegung. Ich bin sehr frei, habe keine Verpflichtungen, kann relativ einfach fast überall hin reisen. Will ich nach Japan Aikido trainieren, oder nach Buenos Aires Tango tanzen? Nichts steht meiner Entscheidung im Weg, keine Wohnung, kein Beruf, keine Familie… Andererseits, vieles kann ich so einfach nicht machen (z.B. trainiert es sich schlecht Aikido, wenn man jeden Tag an einem anderen Ort ist. Oder: ich würde gerne mehr analog fotografieren, aber die Dunkelkammer lässt sich schlecht mir der Idee "Reisen mit leichtem Gepäck" vereinbaren) - ich muss verzichten. Und ich kann nicht überall sein, nicht gleichzeitig in Tokyo und Buenos Aires… 

Die Bewegung wird dadurch einfacher: wo will ich (heute) hin, wo schlafe ich, was esse ich. Unterwegs sein hat einen eigenen Rhythmus - ein Rhythmus den die Nomadenvölker dieser Erde seit Jahrtausenden besingen… Die Bewegung wird langsamer, dafür stetig. Die Wellen werden länger, die Amplitude schwächer, man gibt sich dem Rhythmus der Natur hin, sei es dem Meer oder dem Schaukeln des Kamelrückens oder eben dem Rhythmus der Landstrasse, den Fahrplänen der Busse… Die Bewegung anhalten, wie geht das? In dem ich eins bin, mit dem was ich tue. Im Aikido, indem ich eins bin mit Uke. Wie schön ist das Gefühl, nach einem schnellen Angriff auf den Fersen zu sitzen, mit Ni-Kyo abzuschliessen. Die Bewegung ist gestoppt Äußerlich, innerlich sind wir beide weiter in Bewegung. Stille. Frieden. Und auch - Ausgangspunkt für neue Bewegung, für neue Begegnungen… 

Zufällig habe ich dazu heute in TED einen inspirierenden Vortrag gehört, von Bruder David Steindl-Rast, einem Benediktiner Mönch (und des Aikido vermutlich nicht mächtig). Er spricht über Dankbarkeit und Glücklich sein - und darüber, jeden Moment bewusst zu geniessen. Dazu muss man anhalten (stop), den Moment bewusst wahrnehmen (see) und dann wieder in Bewegung, in Aktion kommen (go).=

Aikido in Oslo 2013, Zusammenfassung 40 min

Passage zum 3. Kyu geschafft!

von Daniela Appel
Daniela ist in der Ausbildung zur Kindertrainerin und hat diesen Bericht in erster Linie für die Kinder geschrieben - er ist aber gleichermaßen lesenswert für die Erwachsenen, weswegen ich ihn hier noch mal gepostet habe. Weitere Beiträge zum Kinderaikido hier.

Keine Prüfung – eine Passage!
Ich kann nicht durchfallen - das ist wenigstens etwas. Wenn es jedoch nicht darum geht, zu bestehen, worum dann? Zum Ersten: um die Absicherung der Grundlagen. Das nervige Pauken der „Vokabeln“, Namen und Ablauf der Technik (Kata), vor den Passagen, sorgt dafür, dass wir alle „eine Sprache“ sprechen. Der Name der Kata fällt und den meisten ist klar, was jetzt in etwa kommt. Je länger wir Aikido üben umso komplizierter werden die Techniken. Der Uke (Angreifer) muss nicht nur irgendwie reagieren, sondern richtig, damit Tori (der die Technik macht) diese überhaupt machen kann.
 
Ohne den Anlass der Passagen würde ich mich nicht intensiv mit dem Wie und Warum in den Katas auseinander setzten. Zum Zweiten sind Passagen für mich Wegmarkierungen / Feste. Mein Aikido-Training ist der Weg und die Passagen markieren je einen bestimmten Abschnitt. Der Abschluss eines Abschnitts ist ein Grund zum Feiern und die Passage ist der Anlass dazu.

Zum Dritten dienen die Passagen zur Lernkontrolle. Die Passagiere und Trainer können sehr schön sehen, was super funktioniert und wo es noch hakt. Nach der anstrengenden Vorbereitung (dem Erklimmen der Steigung) darf ich den Anwesenden zeigen, was ich gelernt habe (den Ausblick genießen).

Ja, meine Fersen sind im Knien (suwari wasa) noch zu oft nicht unter meinem Zentrum (Hinterteil) und auch beim Shiho nage kann man den Partner eigentlich nicht von hinter dem eigenen Kopf nach vorne werfen. Sorry Mirjam, ich weiß du hattest es mir anders gezeigt.

Unter Stress - mir treu bleiben.
Die Herausforderung bei jeder Passage für mich: nicht hektisch werden. Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, alle sehen zu, Mama schießt Fotos und schwupps – Nichts geht mehr! Zum "Abgucken" hatte ich dieses Mal leider niemanden. Ich war der einzige Passagier zum 3. Kyu. Mist! Das bedeutete auch, dass ich in vielen Techniken abgefragt wurde. Aber Thorsten lies mich nie im Regen stehen, wenn es mal nicht weiter ging. Beispiel: Ich sollte Katate ryote dori Shiho nage omote machen. Im ersten Anlauf – Denkblockade – also erst mal Ikkyo omote - Darauf die Ansage von Thorsten: Katate dori Shiho nage omote. Ach stimmt ja, die zwei Techniken sind fast identisch, jetzt weiß ich es wieder.

In der Passage nie einfach stehen bleiben, wenn es mal nicht weiter geht - das nehme ich mir immer fest vor. Entweder die Technik konstruieren (zusammen basteln) oder eben die Technik machen, die mir gerade einfällt. Klappt meistens wunderbar und so komme ich nicht in die Panik-Starre und es bleibt bei kurzen Aussetzern.
Ich bin ein Sturkopf. Als Tori arbeite ich in meiner eigenen Geschwindigkeit. Hübsch langsam, damit ich mich nicht verknote und immer einen Schritt vorausdenken kann. Thorstens Kommentar: „Nimm dir deine Zeit.“ Gefühlte dreimal in meiner Passage! Danke, habe ich getan. Und zwar mit allen vier(!) Ukes (Benni, Andi, Rober und Igor), jetzt übrigens alle 2. Kyus.
Für Katate dori kokyu nage bin ich dann aber doch noch gescheucht worden. Der 3. Kyu sollte nämlich ein gewisses Tempo haben, zumindest ist mir das gesagt worden. Ergebnis:
Das Boot –Geschenkeübergabe
Jeder hat sicherlich seine eigene Art, eine Passage anzugehen. Seit der Passage zum 4. Kyu habe ich mein Bild von der Passage fest im Kopf. Ich will hier feiern! Und wie es sich gehört gibt es Geburtstagskuchen (Katas zeigen) und Geschenke (das Boot). Bei den Erwachsenen ist es ein wenig anders, als bei den Kindern. Jeder Anwesende hat mich (teilweise mehrfach) angegriffen. Je höher die Gradierung der Passagiere, umso schwieriger der Angriff und umso höher auch die Wahrscheinlichkeit, dass es nicht bei einem Angriff bleibt. Außerdem haben sich die „Angreifer“ in der Passage zum 3. Kyu nicht mehr so einfach auf meine Technik eingelassen. Trotzdem waren alle Angriffe „liebevoll“; niemand wollte mir etwas Böses und irgendwie fand ich dann doch immer den Weg in eine Bewegung, die einer Technik ähnelte – mal mehr, mal weniger.

Purer Stress war es dennoch. Ein Angriff nach dem anderen von insgesamt 20 Leuten. Dabei innerlich und äußerlich, ein ums andere Mal, tief durchzuatmen und runter zu kommen von dem Gedanken „Ich muss jetzt was machen, mir muss das gelingen!“ war eine echte Herausforderung. Aber Herausforderungen sind ja zum Wachsen da. Mir bleibt die Einsicht: den meisten Stress mache ich mir selbst. Ob im Boot angesichts eines Ansturms von Angreifern oder beim Lernen einer komplizierten Technik. Je entspannter und zuversichtlicher ich die Sache angehe, desto zügiger und reibungsloser funktioniert es am Ende. Was zwischenzeitliche Frustmomente nicht ausschließt.
Das Ende des Tages gegen 14:30 Uhr – Glückwünsche, Kritik, Duschen, Abschied nehmen, von der letzten Graduierung, den Trainingspartnern und Mama. Zeit zum Bilder ansehen, über sich selbst ärgern, schmunzeln, lachen und nachdenken. Denn die Zeit in der ich mich ärgere lässt sich erheblich dadurch verkürzen, dass ich mich selbst nicht so bitter ernst nehme.

Es war eine großartige Erfahrung für mich, herzlichen Dank den Trainern und Trainingspartnern in der Vorbereitung, meinen Ukes in der Passage, meiner wie wild fotografierenden Mama und der „Besatzung“ des Bootes, insbesondere unserem Kapitän Thorsten.

The Wave - Seminar Thorsten Schoo, Auckland 2013

Mono uchi - Impressionen von Karolina Seibold

Hadeland Folkehoyskole*, Brandbu, Norwegen, 22. bis 25. Oktober 2013

Der erste Eindruck - Holz, sogar der Flughafen in Oslo, wir fahren durch die Nacht, es regnet, Birken, ein Achtung-Elch-Schild, leere Straßen - die Schule liegt wie ein Lampion zwischen den dunklen Hügeln, erleuchtet, heimelig. Zu wissen, dass ich hier bald vier ganze Wochen leben werde. Ken Jutsu unterrichten. Ein ganz besonderer Ort ist das. Die Menschen, warm wie das Licht,
das uns empfängt. Herzlich. Jeder neue Morgen beginnt hier mit einem Geschenk an die Gemeinschaft. Ein Lied, ein Spiel, ein Gedicht, ein Gedanke. Ein guter Ort für Aikido. Thorsten beginnt den Lehrgang mit dem Wesentlichen, der Essenz seines Wissens, dem Wertvollsten. Man kann nicht früh genug damit anfangen, wird er sagen. Spüre den Kontakt. Die Hand. Den Druck. Die Richtung.  Beantworte die Frage. Bewege. Dich. Aus dem Zentrum.
Keine Technik. Nur miteinander sein. Bewegen. Sich. Viel später werden wir die Schwerter nehmen. Und wieder. Spüre den Kontakt. Die Klinge. Den Schnitt. Du bist immer zu spät. Getroffen. Das Bewusstsein hinkt hinterher. Der Körper sowieso. Nur eine Übung. Nur ein Stück Holz. Kein echtes Schwert. Und trotzdem. Getroffen. Die Mitte berührt. Mein Innerstes. Fast spielerisch nähern wir uns Ura Dachi, der zweiten Serie der Kashima Shin Ryu. Reiten den Kontakt. Nichts weghauen, Nichts blocken. Statt dessen: ein fetter Frosch, der auf der Wasserlilie landet. Die Bokken kleben aneinander. Wie sattes Händeklatschen. Voll. Bleib dran. Entspann die Schultern. Atme. Da soll es sitzen. Besser: tanzen. Mein ganzes Sein. Bewusst-Sein. In Mono uchi, den letzten zwanzig Zentimetern der Klinge, die keine ist und trotzdem scharf sein soll. Ist so weit weg. Noch weiter als meine Hände. Wie komme ich dort hin? Geh einfach los. Ganz. Einfach.

*Der Austausch zwischen Seishinkai Aikido und der Hadeland Folkehoyskole in Norwegen besteht seit mehreren Jahren. Thorsten Schoo gibt dort zwei Mal jährlich einen Lehrgang für die Studenten von Dimitris Farmakidis. Die jungen Menschen, die sich für ihr Orientierungsjahr an der Schule als Hauptfach Aikido gewählt haben, bringen meist wenig bis gar keine Kampfkunst-

Erfahrung mit, wenn sie das Orientierungsjahr beginnen. Ihre Offenheit und unbedingte Bereitschaft, sich auf die neue Herausforderung einzulassen, macht den Unterricht zu einem wirklichen Geschenk für alle Beteiligten. Seit Anfang 2012 wurde die Zusammenarbeit zwischen Seishinkai Aikido und der Hadeland Folkehoyskole weiter intensiviert. Im Januar unterrichtete Mirjam Fischer (4. Dan Seishinkai) vier Wochen Ken Jutsu in Brandbu, im Mai kamen zwei Schüler von Dimitris Farmakidis nach Frankfurt und trainierten hier einen Monat lang intensiv bei Thorsten. Im Januar 2014 wird Karolina Seibold (3.Dan Seishinkai) für vier Wochen nach Norwegen fahren und dort ebenfalls Ken Jutsu unterrichten.

Ken-Jutsu Seminar 2. November

Da gibt es die Geschichte von Angulimala, dem Mörder, der, kurz bevor er gehängt wurde Buddha begegnete und - ein anständiger Mensch wurde.
Sein bisheriges Leben war Angulimala wie besessen von der Idee, anderen Leuten das Leben zu nehmen. Jedenfalls, kurz vor der Vollstreckung des Urteils fühlte sich alles an wie angehalten. Er war bereit,  der starken Präsenz  des  authentischen Buddha zu begegnen.

Es heißt, dass die beiden lange Zeit dicht voreinander standen. Als die Stille schier unerträglich wurde, löste sich ein Schleier in Angulimala's Augen, und  Buddha sage zu ihm: "Ich habe die Welt angehalten. Du noch nicht."

Alle Grausamkeit in Angulimala's Herz zerbröselte daraufhin wie eine Mumie an der frischen Luft.

Angulimala erstaunte. Es heißt, dass er mit einem Seil aus den Fingerknochen seiner Opfer aufgehängt wurde. 

Jedenfalls hat er in den Momenten von der Berührung durch ein reines Herz bis hin zu seinem letzten Atemzug ein Leben geführt, dass seiner würdig war.

frei nach Mark Nepo: The book of the awakening



We are all part of Great Mind. It's not that we have to learn to be "connected". We are already connected and nothing can change that. It is the illusion of separateness that causes us to act "as if" we were.
The pratice of Aikido provides us with the experience that constantly forces us to recognize that we are fundamentally not seperate from those around us.
When one starts to accept connection as the default setting in ones mind and body, one can begin to operate on an entirely different paradigm. One starts to connect rather than to fight, one begins to realize that we all resonate together.
If people can let go of what they think Aikido to be and let the practice reveal what it is, it will naturally start to change them. It requires courage and determination. Accepting that we are not who we have told ourselves we are is not easy.

  George Ledyard in: http://aikieast.blogspot.de/2009/06/practice-of-aikido.html

Deshitraining ab jetzt Donnerstag 17 Uhr

Wie mit Euch abgesprochen, findet das Deshitraining ab jetzt nicht mehr dienstags, sondern donnerstags statt, gleiche Uhrzeit. Wir beginnen am 17.10.

The wave - Aikido seminar with Thorsten Schoo in Auckland, by Colin Jowett


I had the benefit of attending the Weekend seminar on Saturday and Sunday with Thorsten Schoo Sensei, 5° Seishinkai,Frankfurt, Germany at the Jikishin Dojo Auckland, Glenfield. For me, you can only be impressed by the depth and understanding of Schoo sensei’s grasp of the English language in describing some very complicated principles of his particular style of aikido.  Coupled with his beautifully, languid and fluid style of ryo-no-keiko (blending without force) I could only be impressed by the time we were fortunate enough to spend in his teaching.


To significantly paraphrase (far too many ideas to fully describe here) the theme of the weekend was ‘the wave’.  A beautiful metaphor for movement that is often used and was fully described by Schoo Sensei during the course of the two days.  Not only the idea of the
wave arising in ones seika tanden, but also how this arising spreads through the whole body, encompasses the uke and transcends the space between the two to accomplish the inevitable outcome – the technique – as it were.
  Once again, some common themes espoused by other accomplished teachers were discussed by Sensei.  The lack of power or tension in the upper body was primarily evident, as was the reduced focus on the intention of ‘throwing’, whereby throwing is an inevitable outcome of good movement and blending by both practitioners and is not, as sometimes become an issue with less capable Aikidoka such as myself, throwing as an end, or as a means to an end. 

I was particularly intrigued by sensei’s exploration of the space outside of both nage and uke and the axis of control.  As we learn in Aikido, the centre of the axis exists inside ourselves as nage, inside uke and also somewhere in the space in between, dependent upon the situation at hand.  But it was sensei’s description of this space, and the fleeting temporary nature of its arising and vanishing that intrigued me, in a very Zen way.
To try to put this into words I would say that my understanding is that the meeting or blending of the two practitioners creates a moment, a temporary condition where a space evolves between the two, physically separated from both, but connected energetically.
It is nages ability to feel this space that assists the wave of the technique to arise, drawing uke into the trough of the emerging wave, carrying them to its apex and releasing them back into a trough – which ultimately ends up in some form of ukemi, throw or potentially even pin. 

Most intriguing was Sensei’s contention that this space can be felt, even though technically it doesn’t really exist?  Confused?  As is so true with many things – it is easier to feel than understand, and easier to understand than explain – so forgive my stumbling attempts.  As
I said to Sensei afterwards, I fear a lot of the principles he was describing went over my head, but I think I can paraphrase Sensei as saying, ‘There is no right or wrong time to learn these things, only the learning, and one can start the learning process at any time’, and probably should.

I wouldn’t want to give the impression that the weekend was removed from physical exertion or activity – far from it.  As waves come in two forms – constructive and destructive – we also explored the difference between the blending, arising and softly diminishing wave of ryo-no-keiko, with the swift sudden and inexhaustibly direct wave of go-no-keiko (as I understand it).  In short, as one reduces the magnitude of the wave, the length of application, and the movement of one’s own body, one gradually creates what appears to be a more ‘fierce’ representation of the wave form, which on the face of it can appear ‘harder’ or more forceful, but which from the inside is still no more or less than the motion of the wave, distilled into a shorter length and time.  It is something that I also feel that less experienced aikidoka, or non-aikidoka looking from the outside of the technique in, can mistakenly see as  forceful direct clashing.  It could not be further from the truth.  Just as the boat appears from the shore to be tossed around on the waves, from the boat, the sea is simply moving up and down – no more and no less.  Forcefulness and tension in fact hinder the wave, slow the movement and cause the ultimate arising and falling of the technique to be blocked, like a rock in the shallows (to continue the sea metaphor).  I could probably go on and on, but I suggest that you look up Schoo Sensei’s youtube postings (or even better order a DVD from Filip Marić) to get the correct descriptions direct from the source, if you are so inclined, rather than rely on my stumbling interpretation. 

I eagerly purchased a DVD and look forward to reviewing and reviewing Thorsten Schoo Sensei’s principles again and again as my understanding of Aikido grows, and I enjoyed every bit of the weekend immensely.

Finally, a word on the marvellous group of people I had the fortunate experience of training with.  Once again, and is often said but cannot be said too often, the weekend was a fabulous chance to meet with ‘old’ acquaintances, make new friends and enjoy training with a varied and eclectic group of martial artists from schools of Jiu-JItsu , Buikukai Aikido,
Shinryukan Aikido, Jikishin Dojo Auckland, Ellerslie Aikido and Kyu Shin Do Aikido from around Auckland, and around New Zealand. 
As Schoo Sensei so aptly put it at the end of the weekend, “It has been a pleasure to train with a varied group of individuals united by a common interest in all things Aikido.  The meeting of such a varied group does not happen often and is not common, and you are fortunate in New Zealand to have so many people with an open heart who are willing to train together.  The spirit of Aikido is very much alive
in New Zealand.”

Amen to that, long may it continue. Thank you immensely to Thorsten Schoo Sensei for taking time out of his life to share his experiences and his Aikido research with us; thank you immensely to Filip Marić for arranging the visit and taking the time out of his life to help us all grow into our Aikido skins; thank you to those organisers and providers behind the
scenes who often remain unmentioned but do so much, Jane, Dave and Greg to name
a few;
 thank you to all the participants who made the weekend as enjoyable and frustration free as it was and thank you to the Haere Mai Taiko Drummers for putting on a gut trembling
display of Taiko Drumming on Saturday evening!

I look forward to seeing you all again at the next one!
Colin Jowett

Buki waza mit Eric Steeves


Aikido ist zwar eine moderne Kampfkunst, seine Wurzeln reichen jedoch weit zurück in sehr alte traditionelle Waffenkünste. Es lohnt sich dies gelegentlich aufzugreifen und trainierend zu „betrachten“.
Dazu bot sich eine hervorragende Gelegenheit während des Lehrgangs unter der Leitung von Eric Steeves, am 28. September, in den sehr schönen Trainingsräumen des Aikido-Zentrums Baden-Baden.

Erics Seminar enthielt eine bereichernde Mischung an Gelegenheiten, aus dem Taijutsu bekannte Bewegungen aus ihren in den Waffenkünsten liegenden Ursprüngen kennen zu lernen, um schließlich das Bewegungsrepertoire von Waffe und Körper eigenständig zu erkunden.

Als Grundsituation wurde die Begegnung eines unbewaffneten mit einem mit Stock oder Schwert bewaffneten Gegners angenommen.
Nach einigen einleitenden Übungen, in denen es schwerpunktmäßig darum ging, als Unbewaffneter Gelassenheit im Umgang mit bewaffneten Angriffen zu entwickeln, wurde nach und nach dazu übergegangen als Bewaffneter mit den Angriffen, bzw. Blockadeversuchen eines unbewaffneten Gegners umzugehen. Daraus entwickelten sich schließlich als Aikido-Techniken erkennbare Bewegungen.

Neben der sich aus den Bewegungen entwickelnden Einsicht, wie elementar anscheinend Ikkyo als Grundbewegung ist, wurde sehr schön deutlich, wie komplex das Verhältnis zwischen Uke und Tori ist. Die weithin verbreitete Neigung Uke in einer negativ besetzten Rolle zu sehen, relativiert sich in dem Moment, in dem man Uke als denjenigen betrachtet, der Tori am Handgelenk packt, bzw. blockiert, um ihn am Verwenden seiner Waffe zu hindern.
Daraus hervorgehend wurde auch ein möglicher Anlass zu dem sehr kontaktbetonten Ukemi deutlich, das für unser Aikido charakteristisch ist. Für das Entstehen einer harmonisierenden, gemeinsamen Bewegung ist die Weisheit keineswegs ausschließlich bei Tori zu suchen, der Uke „verschont“, sondern ebenso sehr ist es Ukes Weisheit, der diese Verschonung nicht nur erkennt und versteht, sondern sie ebenso durch sein Bewegen provoziert.

Schließlich beginnt man sich mitten im Training zu fragen, wie es überhaupt zu der Ausgangssituation eines Kampfes hat kommen können, wenn doch am Ende beide Parteien ein harmonisierendes Verhalten an den Tag legen.

Im Verlauf des Lehrgangs wuchs in mir immer mehr die Vorstellung, wie O-Sensei nach und nach die unerbittlichen und tödlichen Techniken der alten Waffenkünste in seine Friedenskunst, das Aikido, weiter entwickelt haben könnte. – Selbstverständlich bleibt dies eine persönliche Phantasie.

Die Weisheit und hohe Kreativität, die O-Sensei in der Entwicklung des Aikido verwirklicht und zur Verfügung gestellt hat, entziehen sich der Formulierbarkeit durch Worte; im Training können sie sich offenbaren.


Mirjam Fischer

Usa - Neuseeland Abschluss

Liebe Freunde, Aikidoka!

Dies waren ungewöhnlich dichte vier Wochen für mich. Die Lehrgänge haben alle super geklappt, die Menschen, mit denen ich zu tun hatte, haben sich alle sehr viel Mühe gegeben, mir in kurzer Zeit möglichst viel zu zeigen. Ich bin deswegen ganz gerührt und von großer Dankbarkeit erfüllt. 

Allerdings gibt es von allem Guten ja auch ein Zuviel - das ich in der nächsten Woche wahrscheinlich auch erreicht hätte.  Auf der Fahrt zum Flughafen habe ich so gedacht, ich krieg bald Erlebnisdurchfall. Also es ist gut, dass ich endlich wieder nach Hause komme! Freue mich sehr auf alle. An diesem Wochenende sind wir  "leider" von meinen Eltern zum 50-jährigen Hochzeitsjubilaeum eingeladen, sodass ich erst in der nächsten Woche Dienstag zum Deshitraining und so weiter erscheinen kann.

Bis bald,
Thorsten

Jikishin Dojo Auckland

Der Lehrgang von Thorsten Schoo im Jikishin Dojo Auckland verteilte sich auf zwei Staedte: Donnerstag und Freitag in Helensville (etwa 50 km entfernt von Auckland Stadt) und Samstag und Sonntag in Glenfield (einem Stadtteil von Auckland).

Der erste Lehrgang war sehr klein und eher für hochgraduierte Aikidoka - der zweite war groesser und öffentlicher, aber im Prinzip auch mit lauter Fortgeschrittenen aus unterschiedlichen Staedten Neuseelands und sogar aus Japan besetzt.

Filip Maric vom Jikishin Dojo schafft es, Leute aus unterschiedlichen Dojos mit unterschiedlichen Stilrichtungen zur selben Zeit auf eine Matte zu bringen, und so hatten alle das Vergnügen,  einem echten friendship seminar beizuwohnen. Viele Leute haben sich hier besser kennengelernt und die Freude an gutem Aikido geteilt.

Filip wird einen Video vom Seminar machen und eine Slideshow mit Fotos, wir müssen uns aber noch ein wenig gedulden :-)

Aikido West, Frank Doran Shihan

Frank Doran ist glaube ich jetzt 81 Jahre alt. Jedenfalls war er, als ich ihn das letzte Mal vor 10 Jahren getroffen habe, schon ueber 70.
Man sieht ihm die Kraft und Staerke von frueher immer noch an, ein grosser und aufrechter Mann, der frueher die United States marines in hand to hand combat und die Polizei in defense tactics unterrichtet hat.

Im Training am Samstag sind ca. 15 Leute, darunter eine Frau im Rollstuhl und im schwarzen Guertel, die - ich weiss nicht welches Schicksal ueber sie gekommen ist - weiter Aikido macht und sich offensichtlich wohl fuehlt.
Sensei ist dreimal in der Stunde sehr freundlich und zeigt mir etwas. Dabei ist sein Griff unglaublich weich und tief irgendwie, schwer zu beschreiben. Sehr ueberzeugende Techniken jedenfalls. Das hat bei mir, der ich ihn gar nicht so in Erinnerung hatte, eine angenehme Verwirrung ausgeloest.

Zum Schluss gab es noch 5 Minuten jiyu waza, wobei Frank mich vorher noch mal zur Seite genommen hat um mich daran zu erinnern, dass bei ihm immer ganz angenehm fliessend und ohne counterstrikes geuebt wird. - Auf eine andere Idee waere ich auch nicht gekommen. Die Atmosphaere in Aikido West ist auesserst respektvoll, milde und von einer kargen Schlichtheit.

Thorsten Schoo

Suginami Aikikai in San Francisco

Das Training mit Jimmy Friedman vom Suginami Aikikai hat sehr viel Spass gemacht. So  viel ich davon in der kurzen Zeit erleben konnte - ich war zweimal da, dienstags und donnerstags, das eine Mal Aiki, am Donnerstag Jo wie bei uns ;-)

James Friedman senseis Aikido ist sehr weich, fast tai chi artig, und in der Kombination mit dem Kickboxen und dem BJJ, das er sehr regelmaessig trainiert, auf jeden Fall interessant. Jimmy hat mich eingeladen, auch  selbst Training zu geben, und so haben ich am Dienstag gleich, weil vom Jo die Rede war, reagiert und mein Jo-Jutsu eingebracht. Die Leute hatten offensichtlich viel Spass dabei, obwohl ihre Stockarbeit - von Kato sensei herkommend, einem im letzen Jahr verstorbenen 8. Dan- ganz anders ist! Aber das wusste ich ja am Dienstag noch nicht.

Immer locker man selbst bleiben. Das ist das Wichtigste im Leben. Es zeichnet die guten Leute auch aus, dass sie das unbedingt zu schaetzen wissen. Vielleicht bekomme ich es hin, dass James im naechsten Jahr zu uns nach Frankfurt kommt, dann lernt ihr ihn auch einmal kennen!

Vom Dojo und vom Training habe ich leider keine Aufnahmen, bei dem ganzen Training habe ich gar nicht an Fotos gedacht. Aber ich habe zwei nette Fotos von Alexander K. und mir an der Golden Gate bridge. Alex hat war fuer mehrere Jahre mein Schueler in Frankfurt, ist dann zurueck nach Amerika und ist im Silikon Valley sehr erfolgreich.

Gruesse an alle, die ihn noch kennen!