Chi Kung, The Law of Least Effort und das Schwert

Mein Aufenthalt neigt sich dem Ende zu, und ich habe die neuen Eindrücke inzwischen so weit verarbeitet, dass ich nun gerne auch über den Aikido-Unterricht hier berichten möchte. Selbstverständlich will ich nicht über das Bekannte sprechen, sondern über die Besonderheiten im Training hier, die es zu einer neuen Erfahrung, einer Bereicherung in der Begegnung machen.

Ein Charakteristikum von Dimitris Training ist, dass er zur Aufwärmung nicht selten mit Chi Kung Übungen beginnt. Die Übungen, die er praktiziert, stammen aus dem Zhang Zhuang Chi Kung, einer Form des stehenden Chi Kung. Charakteristisch sind die recht statischen, stehenden Formen und die damit verbundene tiefe Arbeit der inneren Entspannung. 
In Bezug auf das Erringen von Entspannung und Fülle zugleich, ist dieses Chi Kung sehr anspruchsvoll, zugleich jedoch sehr effektiv für eine Weiterentwicklung der eigenen Kampfkunst. Wie schon erwähnt, werden die meisten Formen statisch geübt. Man verbringt sehr viel Zeit unbewegt stehend mit nur geringen oder keinen Bewegungen. Die Arbeit findet unsichtbar statt, im Atmen, im Loslassen einzelner Muskelpartien und Reorganisieren ineffektiver Halteketten.

Entsprechend war ein wichtiges von Dimitris für das Training geliefertes Stichwort:
The Law of Least Effort/Das Gesetz der geringsten Anstrengung. Beispielsweise sollte die Beinmuskulatur beim Stehen die geringst mögliche Haltearbeit leisten. Man steht sozusagen aus dem Hara heraus. Ein anderes Gefühl ist, man wird von der Erde getragen.
Meine persönliche Herausforderung lag darin, nachdem die Oberschenkel relativ wenig angestrengt waren, auch die Waden 'leer zu kriegen'. Eine Frage des Loslassens, nicht des Tuns. Ich empfand deutlich, dass in diesen Übungen das Himmel-Erde-Prinzip verborgen ist. Während man sich einerseits im Boden verwurzelt, strebt man zugleich innerlich nach oben.


Das zweite wichtige Stichwort zu diesem Aspekt des Trainings war an den Umgang mit den Armen gerichtet: 'Weight underside'; das Gewicht auf der Unterseite. Besser kann man nicht ausdrücken, dass insbesondere die Ellbogen schwer sein sollen. Die Aufforderung 'weight underside' erzeugt ein sehr passendes Bild der passiven Arbeit, die man in die Ellbogen investiert. Es ist im Prinzip eine Aufmerksamkeitsarbeit, die sich ebenfalls vorrangig mit dem Loslassen, weniger mit dem Tun beschäftigt.

Diese Arbeit ist nicht nur für das Aikido eine gute Grundlage, sondern auch für die Schwertarbeit. Die Prinzipien der entspannten Extremitäten, der leeren Gelenke, der Fülle im Zentrum und des Himmel-Erde-Prinzips führen auch im Kenjutsu zu einer guten stabilen Haltung und zugleich zu freien, wirksamen und schnellen Bewegungen.

Dies ist mit Bezug auf meine Aufgabe hier Kihon Dachi zu unterrichten eine wichtige Grundlage für einen sehr fruchtbaren Austausch zwischen Dimitris und mir geworden.

SEI.SHIN.KAI - von Mirjam Fischer, z.Zt. in Norwegen

Heute bin ich gefragt worden, was der Unterschied sei, zwischen dem Unterrichten an der 
Folkehoyskole und in einem normalen Dojo. Das ist eine gute Gelegenheit, ein wenig auf 
den Unterschied zu sprechen zu kommen, der für mich zwischen dem Trainingsalltag 
im Seishinkai und dem unalltäglichen Alltag und Training hier in Brandbu besteht.

Eines wird sofort ziemlich deutlich. Der Aufenthalt an der Folkehoyskole ist, selbst bei einer 
Dauer von ein, zwei Jahren für alle Betroffenen eine Ausnahmesituation. Die Frage, die 
sich für jeden stellt, der eine gewisse Zeit hier verbringt, ist: Was gelingt mir von all dem  
Wertvollen, das ich hier erhalte, mitzunehmen? Kann ich die hohe Anreicherung mit 
Ideen, Idealen und Potentialen selbst erhalten? Kann ich mich schließlich selber nähren? 
Kann ich das hohe Potential, dem ich begegnet bin, selbst generieren? Letztlich geht es 
während des Aufenthalts in Brandbu neben all dem wertvollen technischen Wissen, das hier 
vermittelt wird, insbesondere um die Entwicklung unseres menschlichen und spirituellen 
Vermögens. Um unser ganz besonderes Potential als kreative und liebende Lebewesen. 
Für mich hat die Schule hier insbesondere wie eine wertvolle Anreicherungsanlage gewirkt,
die zum einen Samen in frischen Boden sät, aber auch Samen, die schon im Boden sind nährt, 
so dass sie keimen. In der Rückschau ging es für mich stark um das Erkennen von wertvollen 
Potentialen in meiner persönlichen Arbeit. Um das Erkennen des wirklichen Werts bestimmter 
Einstellungen und Kenntnisse.

In der Begegnung mit den jungen Erwachsenen hier, die gerade erst in ihre Eigenständigkeit 
starten und, wie man so schön sagt, ihr ganzes Leben noch vor sich haben, ist mir stark 
deutlich geworden, wie wertvoll viele der Kenntnisse und Fähigkeiten sind, die ich inzwischen 
in meinem Leben erworben habe. Ich habe verstärkt erfahren, dass es für mich darum geht, 
im Vertrauen auf die Güte meiner bisherigen Erfahrungen, endlich die Orte und 
Bedingungen zu erkennen, an denen ich meine Potentiale zu meinem Besten und zum Besten 
der mich unmittelbar umgebenden Menschen umsetzen kann. Das schließt meine Weiter-
entwicklung mit ein. 

Ich wünsche mir sehr, dass wir Menschen, die wir im Rahmen des Seishinkai zusammen ge-
funden haben, einen Weg finden werden, eine ähnlich intensive Wirksamkeit zu entfalten, wie 
ich sie nun während meines Aufenthalts an der Folkehoyskole am eigenen Leib erfahren durfte.

Denn im Seishinkai fühle ich mich in einer Gemeinschaft mit seelenverwandten Menschen
Und ich finde wir haben gemeinsam ein hohes Potential positive Wirksamkeit um uns herum 
zu entwickeln. Schön wäre es, wir könnten selbst so einen Generator hervorbringen, der 
die Potentiale in anderen suchenden (zumeist jungen) Menschen weckt, bzw. sichtbar macht, 
und sie zu unterstützen in ihrem Bestreben zu reifen und sich zu stärken. Immerhin tragen 
wir diese Elemente ja schon im Namen: 
SEI - Potential, SHIN - Geist, KAI - Gemeinschaft.

Stocklehrgang mit Markus Röllig

Mit Freude bin ich heute ins Dojo gekommen, um dem Unterricht von Markus Röllig zuzuschauen: Klare Ansagen, entspannt und mit viel Herz.

Das Thema in der zweiten Hälfte, von der ich ein bisschen mitbekommen habe, waren Hasso gaeshi - Shomen - Kombinationen. Übergänge jodan tsuki. Kiaitraining. Ich war aber mehr damit beschäftigt, meine mitgebrachten Kameras einzustellen, weil ich einen kleinen Film machen wollte...

Gibt es ein feedback von Teilnehmern, Teilnehmerinnen? Immerhin war dies der erste offizielle Lehrgang  eines Seishinkai Lehrers in Frankfurt! Die nächsten Lehrgänge dieser Art finden statt im Juni mit Mirjam Fischer und im November mit Eric Steeves, auch bei yondan.

Die Japantour der Aikidolinja der Hadeland Folkehøyskole


Es ist nun einige Zeit seit meiner Ankunft hier vergangen, und wie so oft, wenn etwas neu ist, habe ich einige Sachverhalte nicht vollständig erfasst, bzw. missverstanden. Deshalb möchte ich Euch noch einmal kurz ueber die Japan-Tour der Aikido-Klasse berichten, zumal es auf YouTube dazu zwei Videos von der Tour 2010 zu sehen gibt. Dieses Jahr werden die Teilnehmer exakt die selben Senseis, Dojos und Sehenswürdigkeiten besuchen. Neben viel Aikidotraining wird die Gruppe auch an einer Teezeremonie, und an einer Kalligrafievorfuehrung teilnehmen. Ausserdem werden sie einmal am eigenen Leib erfahren, wie es ist in einen Kimono gekleidet zu werden und ihn zu tragen. In einem Land in dem selbst Busfahren eine grosse Herausforderung ist, wird alles zu einem intensiven Erlebnis werden. Wer gerne einmal schauen will, kann hier sehen, wie es 2010 war.

Japantur for Aikidolinja på Vofos 2010 del 1

Japantur for Aikidolinja på Vofos 2010, del 2

Wie oben erwähnt, habe ich hier ein paar Irrtümer richtig zu stellen. Die Tour dauert nicht zehn Tage, sondern sogar vierzehn Tage. Der Besuch in Osaka war ein Missverständnis meinerseits. Das ist nur der Ankunftsflughafen. ; )
Tatsächlich sind dies die Stationen der Japan-Tour der Aikido-Klasse:

1) Kyoto Budo Center - Yoko Okamoto Sensei
 - dort werden auch der Goldene Pavillon und Gion Center besucht.
2) Fukuoka, Kyushu - Morito Suganuma Sensei
3) Shingu, Kumano Juku Dojo -  Motomichi Anno Sensei

Ich finde, man kann sich, wenn man die Videos anschaut, sehr gut vorstellen, was für ein inspirierendes Erlebnis das für alle Teilnehmer werden kann. Ich wünsche der Aikido-Linja für die Japantour 2013 eine ganz wunderbare und anregende Reise!


The Art of Peace


THE ART OF PEACE begins with you. Work on yourself and your appointed task in the Art of Peace. Everyone has a spirit that can be refined, a body that can be trained in some manner, a suitable path to follow. You are here for no other purpose than to realize your inner divinity and manifest your innate enlightenment. Foster peace in your own life and then apply the Art to all you encounter.

Morihei Ueshiba, 'The  Art of Peace' (Transl. J.  Stevens,  Shambala Pocket Classics)
(Gruesse aus Norwegen)

Richtfest

Heute ist schon fast Halbzeit - kaum zu glauben. Aber das Glas ist natürlich halb voll. : )

Außerdem haben wir heute das erste Mal Kesa giri als Kata vollständig laufen können. Mit allem Drum und Dran. Vollständige Etikette, vollständiger Bewegungsablauf, Ukitachi und Shitachi. Und außerdem war es möglich, eine Gruppe von vier erfahreneren Ukes zu installieren, die für alle anderen Übenden eine Viertelstunde lang nur Ukemi gegeben haben. Für mich war das sehr erfüllend.
Vielleicht klingt es verwunderlich, dass wir nach fast zwei Wochen 'erst' Kesa Giri vervollständigt haben, aber ich bin sehr stolz auf unseren Erfolg und sehr erfreut über die Entwicklung der Gruppe. Denn man muss berücksichtigen, dass diese Gruppe hier noch nicht nennenswert mit Kashima Shin Ryu in Berührung gekommen ist. Das heißt, dass hier alles von Grund auf aufgebaut werden kann. Das ist eine ungeheuer lohnende Aufgabe, nimmt aber eben auch viel Zeit in Anspruch.

Ich habe von Anfang an daran gearbeitet, dass wir wichtige Prinzipien verinnerlichen, wie die aufrechte Körperachse, das aktive/gefüllte Zentrum, das Sinken des Zentrums, die Leere und Entspannung in den Schultern, das Sinken der Schulterblätter hinten, Bewusstheit in Mono uchi, Law of Least Effort, etc. Heute wurde mir in diesem Rahmen beispielsweise deutlich, dass ich bisher noch außer Acht gelassen hatte, auch an der Stabilität des hinteren Knies in Seigan zu arbeiten. Das werde ich in der nächsten Stunde aufnehmen.
Dank der hervorragenden Diszipliniertheit der Gruppe, der hohen Bereitschaft zu Konzentration und Geduld, und auch der Frische mit der Alle auf alles Neue und Unbekannte zugehen, bietet sich mir mit Dimitris Schülern die sehr schoene Gelegenheit, Kihon Tachi umfassend und tiefgreifend, mit viel Basisarbeit aufzubauen. Heute können wir also Richtfest 'feiern', denn ich glaube, dass nun das Fundament gelegt ist, um uns in etwas schnelleren Schritten mit Kiri Wari, Wari Tsuki und Kurai Tachi zu beschäftigen. An Ashi Barai Uki Bune werden wir erst ganz am Schluß arbeiten. Ich schätze diese Arbeit wird etwa drei Übungseinheiten in Anspruch nehmen. Ich freue mich schon auf alle weitere Arbeit und hatte bisher eine Menge Spaß. Ich bin optimistisch, dass es uns auch gelingt, so weiter zu machen.

Auch das Grundlagen-Training während der Morgen-Aktivität entpuppt sich als sehr belohnend für mich. Sie ist zwar mit nur fünf Teilnehmern nicht so sonderlich gut besucht, aber ganz unabhängig davon ein weiteres gutes Lernfeld. Aufgrund von Interessenüberschneidungen bei den Räumlichkeiten, hatte ich entschieden, dass Grundlagen auch auf Holzfussboden unterrichtet werden können. Ich bin dafür am ersten Morgen eine halbe Stunde vor Unterrichtsbeginn in den dafür frei gehaltenen Saal gegangen, und habe mich dort mit dem Dielenboden angefreundet. Es hat mir richtig Spass gemacht, und war interessant. Ich war erfreut festzustellen, dass es möglich ist, Grundlagen auch für eine halbe Stunde oder länger auf einem Holzfussboden zu trainieren, auch für Neulinge. In diesen Stunden haben sich die Schüler ebenfalls dadurch ausgezeichnet, dass sie sich so intensiv mit dem neuen Zugang zum Boden beschäftigt haben, dass es ihnen darueber anscheinend gar nicht in den Sinn gekommen ist, sich mit Bewertungen darüber zu beschäftigen, ob es ihnen gefällt auf Holzboden zu arbeiten, oder nicht. Oder falls sie doch damit gekämpft haben, hatten sie alle genügend Selbstbeherrschung, dies nicht überhand nehmen zu lassen.
Gestern, in der ersten Einheit, haben wir vor allem direkt am Boden gearbeitet. Wie können wir direkt am Boden bleiben und uns bewegen? Weiterhin flaches Utemi über die Schulterrückseite und Partnerarbeit mit Bewegen an den Füßen/um die Füße. Heute haben wir 'gesteuertes Zusammenbrechen' begonnen. Noch immer hauptsächlich auf Bodenniveau. Eine erste Einführung der Wirbelsäulenwelle, Arbeit mit unabhängigen Bewegungen der Einzelgelenke, Schultern, Arme, Kopf und Brustkorb. Morgen plane ich 'gesteuertes Zusammenbrechen' aus dem Stand nach vorne und hinten zu zeigen, um dann das Ausweichen einzelner Körperteile, wenn man gestoßen wird, zu üben.

Winterlehrgang im SEISHINKAI

Ein Kreis hat sich geschlossen. Ich bin ein Jahr dabei und habe alle vier Jahreszeitenlehrgänge mitmachen können. Der Winterlehrgang war anders als die bisherigen. Die Jahreszeitenlehrgänge haben für mich immer etwas von Zusammentreffen der Großfamilie anlässlich eines runden Geburtstags. Aus allen Dojos kommen die Lehrer und Schüler zusammen. Um am Samstag gemeinsam intensiv zu trainieren und am Sonntag die Passagen gemeinsam zu begehen. Diesmal war die Gruppe sehr klein (12 Aikidoka am Vormittag und 14 am Nachmittag). Ich war ein bisschen enttäuscht über das kleinere Familientreffen, aber auch Stück weit erleichtert. Am 2. Dezember hatte ich mir, durch einen Spannungsverlust zu Beginn einer hohen Vorwärtsrolle, mehrere Bänder der rechten Schulter gezerrt. Seit dem 3. Januar bin ich wieder im Training, immer mit der entsprechenden Rücksichtnahme auf die Schulter, also keine hohen Rollen und möglichst keine starken Krafteinwirkungen auf die Schulter. Mir war daher Bange, wie das mit vielen „Fremden“ auf einer vollen Matte werden sollte, die meine Einschränkung nicht kennen konnten. An dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön an alle achtsamen und saften Trainingspartner. Es hat nie wirklich wehgetan und war höchsten Mal ein wenig unangenehm, meist habe ich aber gar Nichts gemerkt.


Der Samstagvormittag fühlte sich gar nicht nach Winter an. Wir hatten leichte Plusgerade und strahlenden Sonnenschein. Die Matten waren nur am Rand gewohnt kalt und klamm. Insgesamt waren nur fünf Kyugarde (ab dem 5. Kyu) auf der Matte. Entsprechend anspruchsvoll hat Thorsten das Training gestaltet. Zentrales Thema war das Arbeiten mit der Hüftstellung und dem Zentrum. Dafür wurden Ikkyo, Nikkyo und Sankyo extrem verkürzt. Den Kontakt zum Partner in dieser minimalen Zeit zu finden, als Uke die Richtung der Kraft mitzubekommen und den eigenen Körper schnell genug hinterher zu jagen, war eine ganz eigene Herausforderung. Nachmittags hatte sich die Sonne verzogen und meine Konzentration gleich mit. Es war alles ein wenig viel. Ich kam mir teilweise vor, als wäre in den vier Wochen ohne Training meine Aikidotechnikenfestplatte zur Hälfte gelöscht worden. Mit neuen Leerstellen an den unmöglichsten Positionen. Sankyo war vor Samstag für mich ein Mysterium, mit dem ich mich glücklicherweise noch nicht näher befassen musste und das ich auch jetzt noch nicht vollständig in seinem Ablauf erfassen kann. Zur Krönung des Ganzen machte Thorsten dann noch zwei kleine „Ausflüge“. Einen zu der Armziehharmonika (wenn bei Nikkyo Ura der Ellenbogen des Partners hochkommt) und einen zu den „Flügeln“ bei inneren Eingängen und der Nutzung des Flügels von Uke in einer Technik mit der Bezeichnung Ude garami. Im freien Arbeiten am Ende der beiden Trainingseinheiten, habe ich dann wirklich gemerkt, was tatsächlich im Kurzzeitspeicher des Gehirns hängen geblieben ist. Besonders viel war es nicht und ich fand mich oft nicht in den vorher geübten, sondern in altvertrauten und liebgewonnenen Techniken wie Siho nage wieder. Oder auch mal Techniken, die so rein formal gar nicht existieren.

Die Passagen am Sonntag hatte ich eigentlich als ganz entspannte Angelegenheit eingeschätzt. Auch wenn diesmal der Winter nicht zu verkennen war. Es war nicht nur draußen kalt auch die Matten und Füße wollten einfach nicht warm werden. Ich war erstmalig nur zur Unterstützung und zum Zuschauen dabei. Insgesamt waren nur vier Passagiere und neun weitere Aikidoka anwesend. Als Uke in der Passage zum 5. Kyu durfte ich allerdings erfahren, dass man nicht nur als Passagier aufgeregt ist und viel schneller atmet, als man gerne würde. Der Stress als Uke war für mich zwar spürbar kleiner als bei meinen eigenen beiden Passagen, aber er war da. Auch weil ich die Erwartung „Mach es richtig. Du musst das können!“ an mich selbst hatte. Ob mir diese Erkenntnis in der nächsten eigenen Passage hilft den Stresslevel zu senken, werden wir dann sehen. Die Passagiere haben sich sehr gründlich vorbereitet und eine ganz großartige Passage gemacht. Wie immer war alles viel zu schnell vorbei.
Als Ergebnis ist der Kopf voll, die Muskeln und Knie schmerzen vom ungewohnt vielen Training (vor allem in Subari wasa) und der Schulter geht es stetig besser.

Daniela Appel

Winterspaziergang


Ich habe wieder einmal einen wunderbaren Tag verbracht. Der beeindruckenste Teil war der Spaziergang, auf dem mich Ines zu Ihren Lieblingsplætzen gefuehrt hat, rund um Røykenvik, einem kleinen Gebiet gleich in der unmittelbaren Nachbarschaft von Brandbu. Es hat hier derzeit ca. minus siebzehn Grad, und der Randsfjord dampft. Das ist mit einer der Gruende fuer den hæufigen Hochnebel, von dem ich schon erzæhlt habe. Ein Grossteil der Gegend in der Umgebung ist mit Raureif bedeckt. Eine Wolke liegt ueber dem Fjord. Im Rest der Landschaft strahlender Sonnenschein. Manchmal sieht man Frostpartikel durch die Luft flirren. Ines nennt sie Feenstaub. Ich kann ihr da gut folgen.
Danach gab's noch einen leckeren Tee bei Ines, bei dem uns ihre drei Tøchter (10, 8 und 2 Jahre) Gesellschaft geleistet haben. Oder besser, zwei von den dreien haben uns damit beschæftigt, uns mit ihnen zu beschæftigen. ; )

Und schliesslich gab's bei meiner Rueckkehr zur Schule gleich ein sehr passendes Essen.Trøndersodd med Flatbrød, Schweinefleischbællchen in Bruehe mit Kartoffeln und Karotten und einem sehr bruechigen, duennen, suesslich schmeckenden Waffelbrot. Nichts fuer Vegetarier zugegebenermassen. Mir hat's jedoch wirklich gut geschmeckt. Gerade nach dem Spaziergang! : )

Ich will nicht weiter viel dazu schreiben. Die Bilder sprechen fuer sich selbst.

In der Schule


Heute werde ich ein bisschen über den Schulalltag berichten.
Je nach Einstellung und Interesse beginnt der Tag für die Studenten um 8.00 Uhr mit der sogenannten Morgenaktivitet. Dies sind freiwillige Veranstaltungen, die Studenten und die verschedenen Gæste, die hier ueber das Jahr eingeladen sind, für interessierte (Mit-)Studenten aus egal welchen Bereichen anbieten kønnen. Das kann Musik sein, Politik, politisches Gespräch und Alles was man sich vorstellen kann. Dimitris hat mich inzwischen gefragt, ob ich da nicht auch etwas anbieten will, und ich habe mir heute gedacht, dass ich ihm Grundlagen vorschlagen werde. Das ist etwas Typisches aus dem Seishinkai-Training, und allgemein genug, dass es auch fuer die Schueler ausserhalb der Aikido-Klasse interessant sein kann.

Ab 8:30 Uhr gibt es dann Frühstück. Es wird als Buffet angeboten, wie übrigens alle vier Mahlzeiten. Man bekommt Obst, Marmeladen, Käse, Wurst, Fisch oder auch Porridge, mit einem großen Angebot an getrockneten Früchten und Mandeln. Zu Trinken gibt es Tee, Wasser oder Milch, was für eingefleischte Kaffeetrinker natürlich eine Herausforderung ist. Aber wer mit eigener Teeküche auf dem Zimmer ausgestattet ist, kann natürlich auch im nächst gelegenen Coop (hier mit rot-gelbem Design) die Kaffeekreation der eigenen Wahl kaufen, und sie im eigenen Speiseschrank bunkern, um sie bei Bedarf zu konsumieren.

Um 8:45 Uhr treffen sich das Lehrerkollegium und der Vertrauensschüler im Lehrerzimmer zur Besprechung anliegender Themen für den Tag, insbesondere in Vorbereitung für das Morning-Meeting, das für alle 89 Schüler und (anwesenden) Lehrer verpflichtend ist und das um 9:15 Uhr beginnt. 
Das Morning Meeting ist ein ganz besonderes Treffen. Nachdem die Anwesenheit aller von einem verantwortlichen Schüler festgestellt, und die täglichen Putz-und Kochaufgaben verteilt worden sind, wird mindestens montags und freitags gemeinsam ein Lied gesungen. Danach werden wichtige Ansagen für den Tag gemacht, zuerst vom Lehrerkollegium, danach von den Schülern. Ausserdem gibt es dann noch die Morgen-Gabe. Eine meinem Empfinden nach ganz grossartige Einrichtung. Eine Person aus der Versammlung stellt etwas vor, das er oder sie mit der ganzen Schule teilen möchte. An den ersten beiden Tagen dieser Woche wurden jeweils Musikstücke vorgespielt. Das ist eine schöne Einstimmung des Tages, nicht nur wenn "California Dreaming" gespielt wird. Es kann auch mal ein Jux sein. Heute hatten wir alle ausserordentlich viel Spass daran, denn ein Schueler hat uns in vier Gruppen eingeteilt, entsprechend der Seiten des Raumes an denen wir sassen, und uns gebeten entsprechend der Høhe seiner Hænde, und entsprechend der (Intensitæt und Art der) Bewegung einen Ton von uns zu geben. So æhnlich wie die Laola im Fussballstadion. Es war ein unglaublicher Spass!

Dies alles dauert höchstens eine halbe Stunde. Eigentlich ist dafür sogar nur eine Viertelstunde angesetzt. Nun beginnt um 9:45/10:00 Uhr der eigentliche Unterricht. Für die Aikido-Klasse also Aikido und Schwert.
Innerhalb der Stunden achtet Dimitris sehr darauf, eine Stimmung der Gemeinsamkeit, Achtsamkeit und des gegenseitigen Respekts herzustellen. So wird vor Beginn der Stunde ein Ræucherstæbchen angezuendet, und jeder der das Dojo betritt, ist aufgefordert am Eingangsbereich in Seiza zuerst die Kamiza, und dann die Gruppe mit Zarei zu begruessen. Als næchstes liest einer der Schueler aus der kleinen Spruechesammlung "The Art of Peace" von Morihei Ueshiba (Uebers. J. Stevens, Shambala Pocket Classics) einen Spruch vor, den er/sie mit der Gruppe teilen møchte und bietet dazu eine kurze persønliche Auslegung an. Den Spruch von heute møchte ich hier gerne mit Euch teilen, denn er verræt auch einiges ueber den Geist, den Dimitris in der Gruppe zu kreieren weiss:

The Art of Peace

is based on Four Great Virtues:

Bravery, Wisdom, Love and Friendship,

symbolized by Fire, Heaven, Earth and Water



Die Auslegung, die mich in ihrer Weitsicht sehr beruehrt hat war, dass es das Zusammenwirken all dieser Tugenden ist, die die Friedenskunst vervollkommnet. Dass keine einzelne dieser Tugenden sie allein erschaffen kann. Und schliesslich entstand wæhrend der Stunde noch das dazu passende Bild des Wagens, der nur fahren kann, solange er alle seine vier Ræder besitzt. Zum Abschluss der Stunde wird jedes Mal die Matte gewischt. Jeder ist daran beteiligt, denn die Matte ist aus Plastik, und es werden einzeln kleine Læppchen an alle verteilt, mit denen man auf den Knien die einzelnen Matten wischt. Leute, die schon an Inaba-Senseis Lehrgængen teilgenommen haben, werden sich an die japanischen Bræuche erinnert fuehlen.
 
Die Vormittagsstunden enden um 11:45 Uhr. Darauf folgt Mittagbrot. Das findet statt von 11:45 bis 12:30 Uhr. Dies ist eine Brotmahlzeit, da es hier dann um 15:45 Uhr noch einmal eine Mahlzeit gibt. Sie wird tatsächlich Middag genannt, und ist warm und reichlich. Vorgestern gab es beispielsweise Lachs oder wahlweise Hühnchen mit Reis, dazu Brokkoli und Karottensalat, alternativ ein vegetarischer Linseneintopf. Gestern gab es Salat, Vollkornreis und weiße Bohnen in Tomatensauce. Sehr lecker zubereitet, nicht etwa aus der Dose, sondern mit einer Sauce, deren Geschmack mich wunderbar an Anis erinnert hat. Schließlich gibt es noch Abendbrot von 20:00 - 20:30 Uhr. Bei allen Essenszeiten sind die Schueler, wie schon erwæhnt, fuer das Eindecken der Tische zustændig, helfen bei der Vorbereitung der Speisen, sind beim Abspuelen, und am Nachmittag auch fuer verschiedene Putzaufgaben zustændig, vom Bedienen der Abspuelanlage in der Kueche, ueber das Saugen und Wischen der Flure, etc.pp.


Gestern war der Tag von zwei besonderen Versammlungen geprägt. Denn die Schüler-Versammlung hat einen neuen Vertrauensschüler gewählt. Dazu stellen die verschiedenen Wohngruppen, in die die Studenten eingeteilt sind, jeweils einen Kandidaten auf. Nach einer jeweils kurzen Vorstellungsrede der Kandidaten wurde gewählt. Dimitris hatte seinen Spaß beim Auszählen der Stimmzettel, denn die Stimmzettel wurden auch kräftig mit Bildchen und Kosenamen für die Kandidaten verziert. Das Ganze verlief also in entspannter, aber durchaus angemessener Atmosphäre.
Die zweite Versammlung fand in den jeweiligen "Linien" statt. So werden die Hauptfächer hier genannt. Es ging um die Vorbereitung der jeweiligen Studientouren, die Anfang März anstehen. Für die Aikido-Klasse wird es für zehn Tage nach Japan gehen. Ziele sind Osaka und Kyoto. Die Vorbereitung dieser Tour ist entsprechend anspruchsvoll, insbesondere wenn man bedenkt, dass die Gruppe inklusive Dimitris aus dreißig Leuten besteht.

Heute waren fuer den Nachmittag wieder besondere Ereignisse angesetzt, Allsang (gemeinsames Singen) und Allmøte (Hauptversammlung), die allerdings regelmæssig jeden Mittwoch stattfinden. Allsang ist auch eine recht einzigartige Veranstaltung. Es trifft sich tatsæchlich ein Grossteil der Schuelerschaft um 12:30 Uhr, um gemeinsam norwegische und englische Lieder zu singen. Die Schueler von HAFOS scheinen meine Vorliebe fuer "California Dreaming" zu teilen, denn es wurde tatsæchlich neben anderen Liedern erneut gesungen. Allmøte hat eine æhnliche Funktion wie das Morning-Meeting. Es ist aber etwas mehr Zeit dafuer vorgesehen (von 13:00 bis 13:45 Uhr), und es wird von den Vertrauensschuelern geleitet. Das Morning-Meeting ist durchaus von einer Art vorrangigem Rederecht durch die Lehrer geprægt, selbst obwohl auch hier die organisatorische Leitung von den Schuelern uebernommen wird. Was mir bei allen Veranstaltungen auffællt ist, wie diszipliniert die Gespræchskultur hier ist. Es werden alle Wortmeldungen mit Handzeichen angezeigt, und es besteht tatsæchlich so viel Vertrauen, Ruhe und Disziplin, dass jeder auch darauf wartet, dass der Leiter des Treffens einem das Wort erteilt. Zudem achten die Leute anscheinend bei den verschiedenen Mitteilungen darauf, ruhig zu sprechen, und nicht zu viel Zeit in Anspruch zu nehmen..

Wæhrend alle Schueler nach Allmøte dann Treffen in ihren Hausgruppen hatten (von denen es, wenn ich richtig gezæhlt habe, fuenf gibt), habe ich dann erstmal das Handtuch geworfen und mich etwas zum Ausruhen zurueckgezogen. Ich war unglaublich muede von der Vielfalt an neuen Eindruecken und von zu wenig Schlaf in der voran gegangenen Nacht, da ich vorgestern nach dem Treffen mit Dimitris noch des Laengeren an diesem Blog geschrieben hatte, und zudem sehr aufgekratzt gewesen war, sodass ich gestern schon nach fuenf Stunden Schlaf wieder aufgewacht bin (mit der Einsicht, dass ich nicht mehr weiterschlafen kann).

Aus diesem Grunde erzæhle ich nun nicht mehr vom Kindertraining, das ich heute ebenfalls das erste Mal erlebt habe, sondern wuensche Euch, wie beim letzten Mal, eine gute Nacht und bis zum næchsten Blog!

Eure Mirjam




Wow! This blows me away!

Die Begegnungen hier sind unglaublich! Ich komme gar nicht dazu Euch ein bisschen zu berichten, so intensiv sind die letzten vier Tage gewesen. Ich hoffe, es gelingt mir, all das Erfahrene in den nächsten Tagen soweit aufzuarbeiten, dass zumindest Einiges davon erzählbar wird.




Heute nur noch ein wenig Allgemeines.
Ich bin gut angekommen und wohne in einem liebevoll eingerichteten Gästezimmer im ersten Stock des Studentenwohnhauses, mit eigener Teeküche und Bad. An den Wänden hängen, liebevoll eingerahmt, Sprüche von Buddha und vom Dalai Lama. In der Teeküche stehen ein gut ausgestattetes Teetablett und ein Willkommensgruß auf Norwegisch, man wünsche sich, der Gast möge hier die Möglichkeit finden, sich ein wenig zu entspannen. So etwas rührt die müde Reisende.

Schon am Folgetag, beim ersten Training mit Dimitris, gab's das erste Trainingsgeschenk: The Law of  Least Effort. Davon zu einem anderen Zeitpunkt mehr.

Nach einer kurzen Pause hieß es dann schon, das "survival-pack" für Oslo packen und weiter ging's  zum Neujahrslehrgang mit Björn Eirik Olsen, 6. Dan, Shihan in Norwegen.
Dieser Lehrgang war ebenfalls angefüllt mit positiven Überraschungen aller Art. Vieles davon hat erst einmal nur unmittelbaren Wert für mich persönlich. Es gab einige Vorstellungen und Erfahrungen, die auf diesem Lehrgang an den rechten Platz fallen konnten. Darüber lässt sich nicht gut berichten, aber es gab auch einige Stichworte, über die ich gern später noch bloggen möchte. Vielleicht soviel vorweg: Zwar sieht das Aikido, das Björn Eirik Olsen anbietet formal anders aus, als das was wir im Seishinkai trainieren, aber es lebt von den selben Prinzipien, und wenn es gelingt, sich ganz zu öffnen, und sich an den Prinzipien zu orientieren, kann man ganz leicht trainieren, die anders aussehenden Formen auszuführen, bis man die Form verstanden hat. Es war sehr schön dies zu üben.
Auch bin ich im Tenshinkan (dem Osloer Dojo) sehr freundlich aufgenommen worden. Mit manchen Leuten, die ich zuvor auf den zwei Lehrgängen von Thorsten 2011 schon kennen gelernt hatte, war es ein freudiges Wiedersehen. Mit manchen eine schöne und interessante erste Begegnung.
Überhaupt bin ich bisher ganz beeindruckt von all der Freundlichkeit und Offenheit, die mir hier überall entgegen gebracht wird. Auch die Lehrer und Schüler an der HAFOS (Hadeland Folkehoyskole) sind sehr freundlich und offen. In der Begegnung gerade mit den Studenten und einigen der ganz jungen Leute (Schueler) aus Dimitris (externem) Dojo in Brandbu erlebe ich dabei eine richtige Herausforderung. Man wird von dieser Offenheit auf sich selbst zurück geworfen.

Ansonsten liegt hier Schnee. Endlich! Auch wenn es selbst für norwegische Winter zu warm ist. Jemand aus Dimitris Dojo erzählte mir gestern, dass es leider in der meinem Besuch voran gegangenen Woche getaut hätte, und zeigte mir Aufnahmen von ganz in dicke Schneepolster gehüllten Bäumen. Fantastisch! Derzeit kann ich leider nicht mit Fotos von solchen Ansichten dienen. Nur mit diesem vereisten Wasserfall, den ich in Oslo nahe dem Tenshinkan gesehen habe. In Brandbu ist das Wetter uebrigens ziemlich ungewöhnlich, denn es liegt ein dichter Hochnebel über dem Tal, der alles unter einem niedrigen weißen Deckel hält. Auf den Strassen liegt eine geschlossene Decke aus Eis und Schnee. Hier lebt man ganz selbstverstaendlich damit, waehrend das bei uns eindeutig schon der Ausnahmezustand waere. Ausserdem wird es natuerlich recht frueh dunkel. Die Daemmerung beginnt um ca. 15:30 Uhr, so dass ich hier permanent weiterhin weihnachtliche Gefuehle bekomme von all den beleuchteten Haeusern in der Nachbarschaft. Das hat mich heute Nachmittag auf dem Weg vom Hauptgebäude zum Studentenwohnhaus so beschäftigt, dass ich vor lauter Staunen fast auf eine Katze getreten wäre. Darüber war ich beiderseits sehr erstaunt. Meinerseits ueber den Mangel an Aufmerksamkeit. Doch auch die Unvorsichtigkeit der Katze hat mich sehr erstaunt. Das arme Tier ist nach dieser unangenehmen "Begegnung" natuerlich unglaublich schnell weg gerannt. Ich fuerchte, ich hab es arg traumatisiert.

Heute Abend habe ich nun auch endlich die erste Schwertstunde gegeben. Von meiner Seite her war es ein schönes Erlebnis. Alle haben unglaublich konzentriert mitgearbeitet und einfach Alles ausprobiert, was ich ihnen angeboten habe. Montags abends ist eine sogenannte Wahlfach-Stunde, und es trainieren da immer auch die Leute aus Dimitris externem Dojo mit. In dieser Gruppe waren sogar einige Kinder dabei. Ich würde schätzen ab etwa sieben Jahren. Das hat Alles keinen Unterschied gemacht. Alle waren unglaublich konzentriert und aufnahmebereit.


Schließlich hat Dimitris mich zum Abschluss des Tages noch zu einer Tasse Tee zu sich eingeladen. Thorsten weiß, wie intensiv das ist. Dimitris ist ein Jaeger. Er gibt immer echte 100%! Ich gehe entsprechend heute Abend mit noch mehr guten, inspirierenden Eindrücken schlafen, und wünsche Euch hiermit eine Gute Nacht!

Es geht los!


Endlich! Es tut gut, dass die Reise nun losgeht. So schön die Vorfreude auf dieses Ereignis auch war, nun fühlt es sich wunderbar an, endlich auch aktiv zu werden und in das Abenteuer zu starten. Die Sachen sind gepackt. Meine Reisetasche ist diesmal besonders dick, weil auch noch der Schlafsack mitmusste, damit ich gleich an diesem Wochenende mit nach Oslo auf den Lehrgang mit Björn Eirik Olsen, 6. Dan, Shihan Norwegen, mitgehen kann. Wunderbar! Darauf freue ich mich schon sehr. Die Aussicht auf vier Wochen an neuen, intensiven und inspirierenden Begegnungen mit vielen verschiedenen Menschen, die kreative Auseinandersetzung mit ihnen, einen Aufenthalt in einer ganz anderen (ländlichen) Umgebung, mit viel frischer Luft und einer wunderbaren, weiten Landschaft zu genießen, mich von all dem zu neuen Gedanken und vielleicht sogar zu neuen Gewohnheiten anregen zu lassen, einen Großteil der Tage in Gemeinschaft mit anderen Menschen und in gemeinsamer Verantwortung zu verbringen, ist einfach wunderbar.

Gestern habe ich - für die folgenden vier Wochen das letzte Mal - noch am ersten Training des Neuen Jahres teilgenommen. Leider waren nicht so sehr viele Leute da. Ich konnte mich von vielen nicht verabschieden. Ich werde Euch Alle, und Thorstens wunderbares Training, trotz der schönen Zeit, die mich erwartet, vermissen.
Seid Alle ganz herzlich gegrüßt, bis zum nächsten Post!

Eure Mirjam


Willkommen in 2013!

Ich möchte Euch noch einmal danken für das gemeinsame stille Training am 21.12. - es war wunderbar.

Der Weltuntergang ist, entgegen den Prognosen von Radio und Fernsehen, dann doch eingetreten.

"Welt", das ist ja die Wirklichkeit, wie sie sich in unserem Bewusstsein manifestiert. Genau genommen hat jeder von uns die Macht, die Welt unter- und wieder aufgehen zu lassen. Wir tun es nur selten, weil das Gefühl von Kontinuität offensichtlich sehr wichtig ist. Doch wenn Millionen Menschen diesen Tag als den symbolischen Übergang in ein neues Zeitalter begreifen - Energie folgt der Aufmerksamkeit - entsteht ein starkes Feld, das wir nutzen können.

Im Netz können wir schöne Sachen lesen über das anstehende Zeitalter des Wassermanns (wie man die neue Zeit versucht bildlich zu fassen):
-  Intellekt ist nicht genug. Wir brauchen ein neues Verhältnis zu Intuition, Empfindung, und Instinkt. -  Information ist nicht genug. Auch nicht Wissen. Wir brauchen Weisheit.
-  Die Komplexität nimmt zu, wie es unser Bedürfnis ist, mit ihr umzugehen.
-  Dies ist ein Zeitalter des Paradoxons – mehr global und mehr individuell mit weniger Grenzen und größerer Nachfrage nach politischer Getrenntheit.
-  Alles geht viel schneller und wir haben weniger Zeit. Wir brauchen mehr Liebe und Gemeinschaft, weil wir mehr Angst und enorme Unsicherheit haben.

Ich habe nach dem stillen Training aus dem Buch  Die große Zeitenwende von Birgit F. Carrasco zitiert. Sie beschreibt die Zeichen der Bewusstseinstransformation folgendermaßen:

-  Das System des globalen Materialismus wird einer humanistischen und sozialen Gesellschaft weichen.
-  Die Menschen werden sich vom dualistischen Gedankengut abwenden und bewertungsfrei leben.
-  Intolerante religiöse Überzeugungen und Dogmen werden sich auflösen, religiöser Fanatismus wird keinen Bestand mehr haben.
-  Unser Zusammenleben wird sich von einer Erwerbstätigkeits- in eine Wertschätzungsgesellschaft verwandeln.
-  Immer mehr Menschen werden ihre Individualität und freie Spiritualität zurückgewinnen und sich aus der konform- und konsumorientierten Masse lösen.
Und vieles mehr ... - Zuvor aber wird folgendes geschehen:

-  Die anhaltende Umweltzerstörung führt zu immer stärkeren Auswirkungen auf das Klima, die zunehmend größere und teurere Umweltkatastrophen verursachen.
-  Hunger, Wassernot und sozial Ungleichheit werden explosionsartig zunehmen und zu weiteren Konflikten oder gar Kriegen führen.
-  Der Energieverbrauch auf Kosten der Umwelt wird ein Luxusgut für wenige und Anlass zu Massenprotesten sein.
-  Die Überbevölkerung in den armen Ländern wird die Einwanderungswellen in reiche Länder massiv verstärken.
-   Die Beschneidung von Bürgerrechten und die Kontrolle des Staates werden weiterhin zunehmen.
-  Unternehmen versuchen, ihr Kapital durch den zusammenschluss zu Mulitikonzernen zu schützen.
-  Das System aus Banken, Börsen und Geldspekulationen wird schließlich ganz zusammenbrechen.
-  Die Mobilität wird aufgrund steigender Energiekosten eingeschränkt und durch den allgemeinen Internetzugang kompensiert.
Und so fort... - Deswegen wird es irgendwann den bewussteren Konsumenten geben, der sich nicht mehr so einfach kontrollieren und ausspionieren lässt. Und deswegen wird auch, irgendwann, die Nachhaltigkeit bei der Herstellung von Gütern oberstes Gebot im Denken und Handeln.

Hierüber lohnt es sich nachzudenken, wie ich finde. - Das neue Jahr wird in diesem esoterischen (eigentlichen) Sinne jedenfalls eine große Herausforderung werden, die nicht nur Kampfkünstlern schmecken dürfte!

Ich persönlich glaube, dass die paradoxe Lebenserfahrung (großartige und schreckliche Dinge werden gleichzeitig erlebt bzw. wahrgenommen) uns nicht so schnell verlassen wird.Vor diesem Hintergrund hatte unser "tägliches Brot" im Aikido, die Dinge in der Übung zu zentrieren, deinem Leben also einen sinnvollen Mittelpunkt zu geben, niemals eine größere Bedeutung als heute.

Ich weiß, eine Kugel könnte heute Morgen das Herz des kleinen Vogels treffen, dieses Vogels, der das Leben feiert mit all seiner Kraft.
Tich Nhat Hanh

Euch allen Geschick, Gesundheit und die pure Lebensfreude in 2013 !