Richtfest

Heute ist schon fast Halbzeit - kaum zu glauben. Aber das Glas ist natürlich halb voll. : )

Außerdem haben wir heute das erste Mal Kesa giri als Kata vollständig laufen können. Mit allem Drum und Dran. Vollständige Etikette, vollständiger Bewegungsablauf, Ukitachi und Shitachi. Und außerdem war es möglich, eine Gruppe von vier erfahreneren Ukes zu installieren, die für alle anderen Übenden eine Viertelstunde lang nur Ukemi gegeben haben. Für mich war das sehr erfüllend.
Vielleicht klingt es verwunderlich, dass wir nach fast zwei Wochen 'erst' Kesa Giri vervollständigt haben, aber ich bin sehr stolz auf unseren Erfolg und sehr erfreut über die Entwicklung der Gruppe. Denn man muss berücksichtigen, dass diese Gruppe hier noch nicht nennenswert mit Kashima Shin Ryu in Berührung gekommen ist. Das heißt, dass hier alles von Grund auf aufgebaut werden kann. Das ist eine ungeheuer lohnende Aufgabe, nimmt aber eben auch viel Zeit in Anspruch.

Ich habe von Anfang an daran gearbeitet, dass wir wichtige Prinzipien verinnerlichen, wie die aufrechte Körperachse, das aktive/gefüllte Zentrum, das Sinken des Zentrums, die Leere und Entspannung in den Schultern, das Sinken der Schulterblätter hinten, Bewusstheit in Mono uchi, Law of Least Effort, etc. Heute wurde mir in diesem Rahmen beispielsweise deutlich, dass ich bisher noch außer Acht gelassen hatte, auch an der Stabilität des hinteren Knies in Seigan zu arbeiten. Das werde ich in der nächsten Stunde aufnehmen.
Dank der hervorragenden Diszipliniertheit der Gruppe, der hohen Bereitschaft zu Konzentration und Geduld, und auch der Frische mit der Alle auf alles Neue und Unbekannte zugehen, bietet sich mir mit Dimitris Schülern die sehr schoene Gelegenheit, Kihon Tachi umfassend und tiefgreifend, mit viel Basisarbeit aufzubauen. Heute können wir also Richtfest 'feiern', denn ich glaube, dass nun das Fundament gelegt ist, um uns in etwas schnelleren Schritten mit Kiri Wari, Wari Tsuki und Kurai Tachi zu beschäftigen. An Ashi Barai Uki Bune werden wir erst ganz am Schluß arbeiten. Ich schätze diese Arbeit wird etwa drei Übungseinheiten in Anspruch nehmen. Ich freue mich schon auf alle weitere Arbeit und hatte bisher eine Menge Spaß. Ich bin optimistisch, dass es uns auch gelingt, so weiter zu machen.

Auch das Grundlagen-Training während der Morgen-Aktivität entpuppt sich als sehr belohnend für mich. Sie ist zwar mit nur fünf Teilnehmern nicht so sonderlich gut besucht, aber ganz unabhängig davon ein weiteres gutes Lernfeld. Aufgrund von Interessenüberschneidungen bei den Räumlichkeiten, hatte ich entschieden, dass Grundlagen auch auf Holzfussboden unterrichtet werden können. Ich bin dafür am ersten Morgen eine halbe Stunde vor Unterrichtsbeginn in den dafür frei gehaltenen Saal gegangen, und habe mich dort mit dem Dielenboden angefreundet. Es hat mir richtig Spass gemacht, und war interessant. Ich war erfreut festzustellen, dass es möglich ist, Grundlagen auch für eine halbe Stunde oder länger auf einem Holzfussboden zu trainieren, auch für Neulinge. In diesen Stunden haben sich die Schüler ebenfalls dadurch ausgezeichnet, dass sie sich so intensiv mit dem neuen Zugang zum Boden beschäftigt haben, dass es ihnen darueber anscheinend gar nicht in den Sinn gekommen ist, sich mit Bewertungen darüber zu beschäftigen, ob es ihnen gefällt auf Holzboden zu arbeiten, oder nicht. Oder falls sie doch damit gekämpft haben, hatten sie alle genügend Selbstbeherrschung, dies nicht überhand nehmen zu lassen.
Gestern, in der ersten Einheit, haben wir vor allem direkt am Boden gearbeitet. Wie können wir direkt am Boden bleiben und uns bewegen? Weiterhin flaches Utemi über die Schulterrückseite und Partnerarbeit mit Bewegen an den Füßen/um die Füße. Heute haben wir 'gesteuertes Zusammenbrechen' begonnen. Noch immer hauptsächlich auf Bodenniveau. Eine erste Einführung der Wirbelsäulenwelle, Arbeit mit unabhängigen Bewegungen der Einzelgelenke, Schultern, Arme, Kopf und Brustkorb. Morgen plane ich 'gesteuertes Zusammenbrechen' aus dem Stand nach vorne und hinten zu zeigen, um dann das Ausweichen einzelner Körperteile, wenn man gestoßen wird, zu üben.