Aikido fürs ganze Leben

Jeder Aikidoka kennt O-Senseis Äußerung "Ikkyo das ganze Leben".
Man fragt sich zuerst, was soll das heißen? Dann denkt man vielleicht, wie soll das gehen? Und schließlich entdeckt man erfreut, dass man nun schon mehrere Jahre Ikkyo gemacht hat, ohne dass es einem je langweilig geworden ist, dass man noch immer neue Dinge darin lernen und üben kann und dass man sich tatsächlich vorstellen kann, das ganze Leben lang Ikkyo zu machen.

Bestimmt kennst Du diesen Moment, wo Du plötzlich im Training so eine Art Erfahrung des Erwachens hast. Du bemerkst plötzlich, dass Du ein- und demselben Lehrer nun schon zum zigten Mal beim Vorführen und Erklären einer bestimmten Technik zuschaust und zuhörst, und dass es Dir noch nie so vorgekommen ist, als würdest Du das selbe hören, als würde sich etwas wiederholen, sondern Du stellst erfreut fest, dass Du jedes Mal etwas Neues hörst, etwas wahrnimmst, das Du zuvor (noch) nicht wahrnehmen konntest, dass das Aikido tatsächlich so vielschichtig und wahrhaftig ist...

Lange Zeit bleibt es kaum erkennbar, ob und wie das Aikido das eigene Alltagsleben beeinflusst, ob es gelingt, den Aikido-Weg tatsächlich auch außerhalb des Dojos zu gehen. Es ist auf jeden Fall eine große Herausforderung an die eigene Geduld.
Nicht umsonst wird das Aikido als Meditation in Bewegung bezeichnet. Da wo sich Philosophie und Meditation begegnen - in der Kontemplation - ist Aikido in Bewegung, kaum theoretisch sondern direkte Erfahrung, ganzheitliche Begegnung mit dem Sosein.
Nach und nach gelingt es einem immer öfter dieses Seinsgefühl in den Alltag mitzunehmen. Die hohen Ansprüche, die theoretischen Ideen werden relativiert, die Momente der direkten Berührung mit dem Leben nehmen zu.

Mirjam