Bridge seminar with Ikeda sensei in Seattle

Auf meinem Weg nach Neuseeland hatte ich einen Zwischenstopp in Seattle und das Vergnuegen, an dem Bridge Seminar mit Mary Heiny sensei und Ikeda sensei teilnehmen zu koennen. Einige werden sich erinnern, dass ich Ikeda 2012 (nach zehn Jahren) in Suedfrankreich zum ersten Mal wiedergesehen habe und die Entwicklung seines Aikido mich stark beruehrt hat.

Was war anders? Wie viele von uns ist auch Ikeda sensei auf dem Weg "von aussen nach innen" oder von der Technik hin zum glaubwuerdigen Kontakt. Die Technik aus der Begegnung selbst heraus entstehen lassen. Schwierig darueber zu schreiben, aber es ist im Grunde derselbe Ansatz, den der Shiseikan in seinem Taijutsu oder Seishinkai Aikido in den Grundlagen hat.
Unterrichtet haben hauptsaechlich Mary Heiny und Ikeda sensei, andere Lehrer wie Kimberley Richardson, Lee Crawford, Joanne Veneziano und George Ledyard haben jeweils eine Stunde unterrichtet - wobei mich George Ledyard sensei von Northeast Aikido am meisten beeindruckt hat.
Im Grunde haben wir nicht viel bewegt. Sehr viel katate dori, yokomen uchi und ein bisschen shomen uchi. Wir sollten stets darauf Acht geben, nicht den anderen veraendern zu wollen ("wann hattest du schon jemals eine Beziehung, in der du den oder die andere veraendern konntest"), sondern dich selbst. - Also deine Position oder "line" veraendern, waehrend du die Beziehung zum Partner unveraendert aufrecht erhaeltst. Wir haben von dieser Arbeit schon einiges kennengelernt, speziell in den Grundlagen.
Katate dori oder ai hanmi katate dori ist perfekt fuer diese Art von Arbeit, weil es langsam gehen muss, man muss seine alten Muster sozusagen vorsichtig anpirschen. Ikeda sensei betonte des oefteren, dass die Idee des Bridge seminars ja ist, Menschen zu begegnen (it's about meeting people) und nicht den anderen von seiner guten Technik zu ueberzeugen. Das ist ein wunderbarer Ansatz, der in dieser Weise fuer mich auch relativ neu ist. Man darf so etwas natuerlich nicht mit der normalen Dojoarbeit verwechseln.
Alle anwesenden Lehrer haben selbstverstaendlich ihren Technikkanon und ihre Unterrichtsmethoden, doch konnte man, dem Lehrgangsthema entsprechend, davon wenig sehen. -
Anders am Abend vor dem eigentlichen Seminar, wo ich Bruce Bookman sensei von Tenzan Aikido Seattle in seinem Dojo besuchen konnte. Ich bin froh ueber den Tipp von Max Eriksson vom Aikido Dojo Gleisdreieck in Berlin, er sagte ich solle Bruce besuchen, er wuerde mir gefallen - hat er, danke Max! Bruce ist ein sehr  verantwortungsbewusster Lehrer, seit 35 Jahren integriert er sehr vorsichtig seine BJJ Erfahrung und die regelmaessige Yogapraxis in sein Aikido, ohne dass man sagen koennte, es wirke kuenstlich.
Bruce ist dem Geist kontinuierlichen Wachstums verpflichtet - wie uebrigens alle bereits genannten Bridge player auch - doch ist sein research eher technisch Budo, wenn ich mal so sagen darf. Das liegt mir persoenlich naeher als die Psychologisierung der Technik ...

Auf der anderen Seite, wenn sich dein Sein im Tun "verdreht", also wenn deine Aktion nicht authentisch oder sogar leer ist, hat auch niemand etwas davon. Es bleibt eine schwierige und spannende Balance. Fuer mich ist Aikido zunehmend wie eine klassische Kunst, zu der ich vielleicht einen unkonventionellen Zugang gefunden habe. Wir improvisieren jedenfalls von Anfang an, inmitten einer klassischen, durch Christian Tissier geformten Tradition.
Bruce Bookman hat im uebrigen mit Jimmy Friedman - den ich morgen in San Francisco besuchen werde - in einigen Aiki Expos in San Diego zusammengearbeitet. Bruce hat mir seine DVD geschenkt, die er mit Jimmy Friedman und einem professionellen Kickboxer zusammen gemacht hat. Ich kann sie auf meinem Tablet leider nicht anschauen und bin gespannt auf zu Hause!

Gruesse an alle aus dem Flugzeug - sie haben hier Wifi an Bord - und alle Leute arbeiten :-)
Thorsten