Buki waza mit Eric Steeves


Aikido ist zwar eine moderne Kampfkunst, seine Wurzeln reichen jedoch weit zurück in sehr alte traditionelle Waffenkünste. Es lohnt sich dies gelegentlich aufzugreifen und trainierend zu „betrachten“.
Dazu bot sich eine hervorragende Gelegenheit während des Lehrgangs unter der Leitung von Eric Steeves, am 28. September, in den sehr schönen Trainingsräumen des Aikido-Zentrums Baden-Baden.

Erics Seminar enthielt eine bereichernde Mischung an Gelegenheiten, aus dem Taijutsu bekannte Bewegungen aus ihren in den Waffenkünsten liegenden Ursprüngen kennen zu lernen, um schließlich das Bewegungsrepertoire von Waffe und Körper eigenständig zu erkunden.

Als Grundsituation wurde die Begegnung eines unbewaffneten mit einem mit Stock oder Schwert bewaffneten Gegners angenommen.
Nach einigen einleitenden Übungen, in denen es schwerpunktmäßig darum ging, als Unbewaffneter Gelassenheit im Umgang mit bewaffneten Angriffen zu entwickeln, wurde nach und nach dazu übergegangen als Bewaffneter mit den Angriffen, bzw. Blockadeversuchen eines unbewaffneten Gegners umzugehen. Daraus entwickelten sich schließlich als Aikido-Techniken erkennbare Bewegungen.

Neben der sich aus den Bewegungen entwickelnden Einsicht, wie elementar anscheinend Ikkyo als Grundbewegung ist, wurde sehr schön deutlich, wie komplex das Verhältnis zwischen Uke und Tori ist. Die weithin verbreitete Neigung Uke in einer negativ besetzten Rolle zu sehen, relativiert sich in dem Moment, in dem man Uke als denjenigen betrachtet, der Tori am Handgelenk packt, bzw. blockiert, um ihn am Verwenden seiner Waffe zu hindern.
Daraus hervorgehend wurde auch ein möglicher Anlass zu dem sehr kontaktbetonten Ukemi deutlich, das für unser Aikido charakteristisch ist. Für das Entstehen einer harmonisierenden, gemeinsamen Bewegung ist die Weisheit keineswegs ausschließlich bei Tori zu suchen, der Uke „verschont“, sondern ebenso sehr ist es Ukes Weisheit, der diese Verschonung nicht nur erkennt und versteht, sondern sie ebenso durch sein Bewegen provoziert.

Schließlich beginnt man sich mitten im Training zu fragen, wie es überhaupt zu der Ausgangssituation eines Kampfes hat kommen können, wenn doch am Ende beide Parteien ein harmonisierendes Verhalten an den Tag legen.

Im Verlauf des Lehrgangs wuchs in mir immer mehr die Vorstellung, wie O-Sensei nach und nach die unerbittlichen und tödlichen Techniken der alten Waffenkünste in seine Friedenskunst, das Aikido, weiter entwickelt haben könnte. – Selbstverständlich bleibt dies eine persönliche Phantasie.

Die Weisheit und hohe Kreativität, die O-Sensei in der Entwicklung des Aikido verwirklicht und zur Verfügung gestellt hat, entziehen sich der Formulierbarkeit durch Worte; im Training können sie sich offenbaren.


Mirjam Fischer