Aikido in Oslo 2013, Zusammenfassung 40 min

Passage zum 3. Kyu geschafft!

von Daniela Appel
Daniela ist in der Ausbildung zur Kindertrainerin und hat diesen Bericht in erster Linie für die Kinder geschrieben - er ist aber gleichermaßen lesenswert für die Erwachsenen, weswegen ich ihn hier noch mal gepostet habe. Weitere Beiträge zum Kinderaikido hier.

Keine Prüfung – eine Passage!
Ich kann nicht durchfallen - das ist wenigstens etwas. Wenn es jedoch nicht darum geht, zu bestehen, worum dann? Zum Ersten: um die Absicherung der Grundlagen. Das nervige Pauken der „Vokabeln“, Namen und Ablauf der Technik (Kata), vor den Passagen, sorgt dafür, dass wir alle „eine Sprache“ sprechen. Der Name der Kata fällt und den meisten ist klar, was jetzt in etwa kommt. Je länger wir Aikido üben umso komplizierter werden die Techniken. Der Uke (Angreifer) muss nicht nur irgendwie reagieren, sondern richtig, damit Tori (der die Technik macht) diese überhaupt machen kann.
 
Ohne den Anlass der Passagen würde ich mich nicht intensiv mit dem Wie und Warum in den Katas auseinander setzten. Zum Zweiten sind Passagen für mich Wegmarkierungen / Feste. Mein Aikido-Training ist der Weg und die Passagen markieren je einen bestimmten Abschnitt. Der Abschluss eines Abschnitts ist ein Grund zum Feiern und die Passage ist der Anlass dazu.

Zum Dritten dienen die Passagen zur Lernkontrolle. Die Passagiere und Trainer können sehr schön sehen, was super funktioniert und wo es noch hakt. Nach der anstrengenden Vorbereitung (dem Erklimmen der Steigung) darf ich den Anwesenden zeigen, was ich gelernt habe (den Ausblick genießen).

Ja, meine Fersen sind im Knien (suwari wasa) noch zu oft nicht unter meinem Zentrum (Hinterteil) und auch beim Shiho nage kann man den Partner eigentlich nicht von hinter dem eigenen Kopf nach vorne werfen. Sorry Mirjam, ich weiß du hattest es mir anders gezeigt.

Unter Stress - mir treu bleiben.
Die Herausforderung bei jeder Passage für mich: nicht hektisch werden. Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, alle sehen zu, Mama schießt Fotos und schwupps – Nichts geht mehr! Zum "Abgucken" hatte ich dieses Mal leider niemanden. Ich war der einzige Passagier zum 3. Kyu. Mist! Das bedeutete auch, dass ich in vielen Techniken abgefragt wurde. Aber Thorsten lies mich nie im Regen stehen, wenn es mal nicht weiter ging. Beispiel: Ich sollte Katate ryote dori Shiho nage omote machen. Im ersten Anlauf – Denkblockade – also erst mal Ikkyo omote - Darauf die Ansage von Thorsten: Katate dori Shiho nage omote. Ach stimmt ja, die zwei Techniken sind fast identisch, jetzt weiß ich es wieder.

In der Passage nie einfach stehen bleiben, wenn es mal nicht weiter geht - das nehme ich mir immer fest vor. Entweder die Technik konstruieren (zusammen basteln) oder eben die Technik machen, die mir gerade einfällt. Klappt meistens wunderbar und so komme ich nicht in die Panik-Starre und es bleibt bei kurzen Aussetzern.
Ich bin ein Sturkopf. Als Tori arbeite ich in meiner eigenen Geschwindigkeit. Hübsch langsam, damit ich mich nicht verknote und immer einen Schritt vorausdenken kann. Thorstens Kommentar: „Nimm dir deine Zeit.“ Gefühlte dreimal in meiner Passage! Danke, habe ich getan. Und zwar mit allen vier(!) Ukes (Benni, Andi, Rober und Igor), jetzt übrigens alle 2. Kyus.
Für Katate dori kokyu nage bin ich dann aber doch noch gescheucht worden. Der 3. Kyu sollte nämlich ein gewisses Tempo haben, zumindest ist mir das gesagt worden. Ergebnis:
Das Boot –Geschenkeübergabe
Jeder hat sicherlich seine eigene Art, eine Passage anzugehen. Seit der Passage zum 4. Kyu habe ich mein Bild von der Passage fest im Kopf. Ich will hier feiern! Und wie es sich gehört gibt es Geburtstagskuchen (Katas zeigen) und Geschenke (das Boot). Bei den Erwachsenen ist es ein wenig anders, als bei den Kindern. Jeder Anwesende hat mich (teilweise mehrfach) angegriffen. Je höher die Gradierung der Passagiere, umso schwieriger der Angriff und umso höher auch die Wahrscheinlichkeit, dass es nicht bei einem Angriff bleibt. Außerdem haben sich die „Angreifer“ in der Passage zum 3. Kyu nicht mehr so einfach auf meine Technik eingelassen. Trotzdem waren alle Angriffe „liebevoll“; niemand wollte mir etwas Böses und irgendwie fand ich dann doch immer den Weg in eine Bewegung, die einer Technik ähnelte – mal mehr, mal weniger.

Purer Stress war es dennoch. Ein Angriff nach dem anderen von insgesamt 20 Leuten. Dabei innerlich und äußerlich, ein ums andere Mal, tief durchzuatmen und runter zu kommen von dem Gedanken „Ich muss jetzt was machen, mir muss das gelingen!“ war eine echte Herausforderung. Aber Herausforderungen sind ja zum Wachsen da. Mir bleibt die Einsicht: den meisten Stress mache ich mir selbst. Ob im Boot angesichts eines Ansturms von Angreifern oder beim Lernen einer komplizierten Technik. Je entspannter und zuversichtlicher ich die Sache angehe, desto zügiger und reibungsloser funktioniert es am Ende. Was zwischenzeitliche Frustmomente nicht ausschließt.
Das Ende des Tages gegen 14:30 Uhr – Glückwünsche, Kritik, Duschen, Abschied nehmen, von der letzten Graduierung, den Trainingspartnern und Mama. Zeit zum Bilder ansehen, über sich selbst ärgern, schmunzeln, lachen und nachdenken. Denn die Zeit in der ich mich ärgere lässt sich erheblich dadurch verkürzen, dass ich mich selbst nicht so bitter ernst nehme.

Es war eine großartige Erfahrung für mich, herzlichen Dank den Trainern und Trainingspartnern in der Vorbereitung, meinen Ukes in der Passage, meiner wie wild fotografierenden Mama und der „Besatzung“ des Bootes, insbesondere unserem Kapitän Thorsten.

The Wave - Seminar Thorsten Schoo, Auckland 2013

Mono uchi - Impressionen von Karolina Seibold

Hadeland Folkehoyskole*, Brandbu, Norwegen, 22. bis 25. Oktober 2013

Der erste Eindruck - Holz, sogar der Flughafen in Oslo, wir fahren durch die Nacht, es regnet, Birken, ein Achtung-Elch-Schild, leere Straßen - die Schule liegt wie ein Lampion zwischen den dunklen Hügeln, erleuchtet, heimelig. Zu wissen, dass ich hier bald vier ganze Wochen leben werde. Ken Jutsu unterrichten. Ein ganz besonderer Ort ist das. Die Menschen, warm wie das Licht,
das uns empfängt. Herzlich. Jeder neue Morgen beginnt hier mit einem Geschenk an die Gemeinschaft. Ein Lied, ein Spiel, ein Gedicht, ein Gedanke. Ein guter Ort für Aikido. Thorsten beginnt den Lehrgang mit dem Wesentlichen, der Essenz seines Wissens, dem Wertvollsten. Man kann nicht früh genug damit anfangen, wird er sagen. Spüre den Kontakt. Die Hand. Den Druck. Die Richtung.  Beantworte die Frage. Bewege. Dich. Aus dem Zentrum.
Keine Technik. Nur miteinander sein. Bewegen. Sich. Viel später werden wir die Schwerter nehmen. Und wieder. Spüre den Kontakt. Die Klinge. Den Schnitt. Du bist immer zu spät. Getroffen. Das Bewusstsein hinkt hinterher. Der Körper sowieso. Nur eine Übung. Nur ein Stück Holz. Kein echtes Schwert. Und trotzdem. Getroffen. Die Mitte berührt. Mein Innerstes. Fast spielerisch nähern wir uns Ura Dachi, der zweiten Serie der Kashima Shin Ryu. Reiten den Kontakt. Nichts weghauen, Nichts blocken. Statt dessen: ein fetter Frosch, der auf der Wasserlilie landet. Die Bokken kleben aneinander. Wie sattes Händeklatschen. Voll. Bleib dran. Entspann die Schultern. Atme. Da soll es sitzen. Besser: tanzen. Mein ganzes Sein. Bewusst-Sein. In Mono uchi, den letzten zwanzig Zentimetern der Klinge, die keine ist und trotzdem scharf sein soll. Ist so weit weg. Noch weiter als meine Hände. Wie komme ich dort hin? Geh einfach los. Ganz. Einfach.

*Der Austausch zwischen Seishinkai Aikido und der Hadeland Folkehoyskole in Norwegen besteht seit mehreren Jahren. Thorsten Schoo gibt dort zwei Mal jährlich einen Lehrgang für die Studenten von Dimitris Farmakidis. Die jungen Menschen, die sich für ihr Orientierungsjahr an der Schule als Hauptfach Aikido gewählt haben, bringen meist wenig bis gar keine Kampfkunst-

Erfahrung mit, wenn sie das Orientierungsjahr beginnen. Ihre Offenheit und unbedingte Bereitschaft, sich auf die neue Herausforderung einzulassen, macht den Unterricht zu einem wirklichen Geschenk für alle Beteiligten. Seit Anfang 2012 wurde die Zusammenarbeit zwischen Seishinkai Aikido und der Hadeland Folkehoyskole weiter intensiviert. Im Januar unterrichtete Mirjam Fischer (4. Dan Seishinkai) vier Wochen Ken Jutsu in Brandbu, im Mai kamen zwei Schüler von Dimitris Farmakidis nach Frankfurt und trainierten hier einen Monat lang intensiv bei Thorsten. Im Januar 2014 wird Karolina Seibold (3.Dan Seishinkai) für vier Wochen nach Norwegen fahren und dort ebenfalls Ken Jutsu unterrichten.

Ken-Jutsu Seminar 2. November

Da gibt es die Geschichte von Angulimala, dem Mörder, der, kurz bevor er gehängt wurde Buddha begegnete und - ein anständiger Mensch wurde.
Sein bisheriges Leben war Angulimala wie besessen von der Idee, anderen Leuten das Leben zu nehmen. Jedenfalls, kurz vor der Vollstreckung des Urteils fühlte sich alles an wie angehalten. Er war bereit,  der starken Präsenz  des  authentischen Buddha zu begegnen.

Es heißt, dass die beiden lange Zeit dicht voreinander standen. Als die Stille schier unerträglich wurde, löste sich ein Schleier in Angulimala's Augen, und  Buddha sage zu ihm: "Ich habe die Welt angehalten. Du noch nicht."

Alle Grausamkeit in Angulimala's Herz zerbröselte daraufhin wie eine Mumie an der frischen Luft.

Angulimala erstaunte. Es heißt, dass er mit einem Seil aus den Fingerknochen seiner Opfer aufgehängt wurde. 

Jedenfalls hat er in den Momenten von der Berührung durch ein reines Herz bis hin zu seinem letzten Atemzug ein Leben geführt, dass seiner würdig war.

frei nach Mark Nepo: The book of the awakening



We are all part of Great Mind. It's not that we have to learn to be "connected". We are already connected and nothing can change that. It is the illusion of separateness that causes us to act "as if" we were.
The pratice of Aikido provides us with the experience that constantly forces us to recognize that we are fundamentally not seperate from those around us.
When one starts to accept connection as the default setting in ones mind and body, one can begin to operate on an entirely different paradigm. One starts to connect rather than to fight, one begins to realize that we all resonate together.
If people can let go of what they think Aikido to be and let the practice reveal what it is, it will naturally start to change them. It requires courage and determination. Accepting that we are not who we have told ourselves we are is not easy.

  George Ledyard in: http://aikieast.blogspot.de/2009/06/practice-of-aikido.html