Mono uchi - Impressionen von Karolina Seibold

Hadeland Folkehoyskole*, Brandbu, Norwegen, 22. bis 25. Oktober 2013

Der erste Eindruck - Holz, sogar der Flughafen in Oslo, wir fahren durch die Nacht, es regnet, Birken, ein Achtung-Elch-Schild, leere Straßen - die Schule liegt wie ein Lampion zwischen den dunklen Hügeln, erleuchtet, heimelig. Zu wissen, dass ich hier bald vier ganze Wochen leben werde. Ken Jutsu unterrichten. Ein ganz besonderer Ort ist das. Die Menschen, warm wie das Licht,
das uns empfängt. Herzlich. Jeder neue Morgen beginnt hier mit einem Geschenk an die Gemeinschaft. Ein Lied, ein Spiel, ein Gedicht, ein Gedanke. Ein guter Ort für Aikido. Thorsten beginnt den Lehrgang mit dem Wesentlichen, der Essenz seines Wissens, dem Wertvollsten. Man kann nicht früh genug damit anfangen, wird er sagen. Spüre den Kontakt. Die Hand. Den Druck. Die Richtung.  Beantworte die Frage. Bewege. Dich. Aus dem Zentrum.
Keine Technik. Nur miteinander sein. Bewegen. Sich. Viel später werden wir die Schwerter nehmen. Und wieder. Spüre den Kontakt. Die Klinge. Den Schnitt. Du bist immer zu spät. Getroffen. Das Bewusstsein hinkt hinterher. Der Körper sowieso. Nur eine Übung. Nur ein Stück Holz. Kein echtes Schwert. Und trotzdem. Getroffen. Die Mitte berührt. Mein Innerstes. Fast spielerisch nähern wir uns Ura Dachi, der zweiten Serie der Kashima Shin Ryu. Reiten den Kontakt. Nichts weghauen, Nichts blocken. Statt dessen: ein fetter Frosch, der auf der Wasserlilie landet. Die Bokken kleben aneinander. Wie sattes Händeklatschen. Voll. Bleib dran. Entspann die Schultern. Atme. Da soll es sitzen. Besser: tanzen. Mein ganzes Sein. Bewusst-Sein. In Mono uchi, den letzten zwanzig Zentimetern der Klinge, die keine ist und trotzdem scharf sein soll. Ist so weit weg. Noch weiter als meine Hände. Wie komme ich dort hin? Geh einfach los. Ganz. Einfach.

*Der Austausch zwischen Seishinkai Aikido und der Hadeland Folkehoyskole in Norwegen besteht seit mehreren Jahren. Thorsten Schoo gibt dort zwei Mal jährlich einen Lehrgang für die Studenten von Dimitris Farmakidis. Die jungen Menschen, die sich für ihr Orientierungsjahr an der Schule als Hauptfach Aikido gewählt haben, bringen meist wenig bis gar keine Kampfkunst-

Erfahrung mit, wenn sie das Orientierungsjahr beginnen. Ihre Offenheit und unbedingte Bereitschaft, sich auf die neue Herausforderung einzulassen, macht den Unterricht zu einem wirklichen Geschenk für alle Beteiligten. Seit Anfang 2012 wurde die Zusammenarbeit zwischen Seishinkai Aikido und der Hadeland Folkehoyskole weiter intensiviert. Im Januar unterrichtete Mirjam Fischer (4. Dan Seishinkai) vier Wochen Ken Jutsu in Brandbu, im Mai kamen zwei Schüler von Dimitris Farmakidis nach Frankfurt und trainierten hier einen Monat lang intensiv bei Thorsten. Im Januar 2014 wird Karolina Seibold (3.Dan Seishinkai) für vier Wochen nach Norwegen fahren und dort ebenfalls Ken Jutsu unterrichten.