Passage zum 3. Kyu geschafft!

von Daniela Appel
Daniela ist in der Ausbildung zur Kindertrainerin und hat diesen Bericht in erster Linie für die Kinder geschrieben - er ist aber gleichermaßen lesenswert für die Erwachsenen, weswegen ich ihn hier noch mal gepostet habe. Weitere Beiträge zum Kinderaikido hier.

Keine Prüfung – eine Passage!
Ich kann nicht durchfallen - das ist wenigstens etwas. Wenn es jedoch nicht darum geht, zu bestehen, worum dann? Zum Ersten: um die Absicherung der Grundlagen. Das nervige Pauken der „Vokabeln“, Namen und Ablauf der Technik (Kata), vor den Passagen, sorgt dafür, dass wir alle „eine Sprache“ sprechen. Der Name der Kata fällt und den meisten ist klar, was jetzt in etwa kommt. Je länger wir Aikido üben umso komplizierter werden die Techniken. Der Uke (Angreifer) muss nicht nur irgendwie reagieren, sondern richtig, damit Tori (der die Technik macht) diese überhaupt machen kann.
 
Ohne den Anlass der Passagen würde ich mich nicht intensiv mit dem Wie und Warum in den Katas auseinander setzten. Zum Zweiten sind Passagen für mich Wegmarkierungen / Feste. Mein Aikido-Training ist der Weg und die Passagen markieren je einen bestimmten Abschnitt. Der Abschluss eines Abschnitts ist ein Grund zum Feiern und die Passage ist der Anlass dazu.

Zum Dritten dienen die Passagen zur Lernkontrolle. Die Passagiere und Trainer können sehr schön sehen, was super funktioniert und wo es noch hakt. Nach der anstrengenden Vorbereitung (dem Erklimmen der Steigung) darf ich den Anwesenden zeigen, was ich gelernt habe (den Ausblick genießen).

Ja, meine Fersen sind im Knien (suwari wasa) noch zu oft nicht unter meinem Zentrum (Hinterteil) und auch beim Shiho nage kann man den Partner eigentlich nicht von hinter dem eigenen Kopf nach vorne werfen. Sorry Mirjam, ich weiß du hattest es mir anders gezeigt.

Unter Stress - mir treu bleiben.
Die Herausforderung bei jeder Passage für mich: nicht hektisch werden. Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, alle sehen zu, Mama schießt Fotos und schwupps – Nichts geht mehr! Zum "Abgucken" hatte ich dieses Mal leider niemanden. Ich war der einzige Passagier zum 3. Kyu. Mist! Das bedeutete auch, dass ich in vielen Techniken abgefragt wurde. Aber Thorsten lies mich nie im Regen stehen, wenn es mal nicht weiter ging. Beispiel: Ich sollte Katate ryote dori Shiho nage omote machen. Im ersten Anlauf – Denkblockade – also erst mal Ikkyo omote - Darauf die Ansage von Thorsten: Katate dori Shiho nage omote. Ach stimmt ja, die zwei Techniken sind fast identisch, jetzt weiß ich es wieder.

In der Passage nie einfach stehen bleiben, wenn es mal nicht weiter geht - das nehme ich mir immer fest vor. Entweder die Technik konstruieren (zusammen basteln) oder eben die Technik machen, die mir gerade einfällt. Klappt meistens wunderbar und so komme ich nicht in die Panik-Starre und es bleibt bei kurzen Aussetzern.
Ich bin ein Sturkopf. Als Tori arbeite ich in meiner eigenen Geschwindigkeit. Hübsch langsam, damit ich mich nicht verknote und immer einen Schritt vorausdenken kann. Thorstens Kommentar: „Nimm dir deine Zeit.“ Gefühlte dreimal in meiner Passage! Danke, habe ich getan. Und zwar mit allen vier(!) Ukes (Benni, Andi, Rober und Igor), jetzt übrigens alle 2. Kyus.
Für Katate dori kokyu nage bin ich dann aber doch noch gescheucht worden. Der 3. Kyu sollte nämlich ein gewisses Tempo haben, zumindest ist mir das gesagt worden. Ergebnis:
Das Boot –Geschenkeübergabe
Jeder hat sicherlich seine eigene Art, eine Passage anzugehen. Seit der Passage zum 4. Kyu habe ich mein Bild von der Passage fest im Kopf. Ich will hier feiern! Und wie es sich gehört gibt es Geburtstagskuchen (Katas zeigen) und Geschenke (das Boot). Bei den Erwachsenen ist es ein wenig anders, als bei den Kindern. Jeder Anwesende hat mich (teilweise mehrfach) angegriffen. Je höher die Gradierung der Passagiere, umso schwieriger der Angriff und umso höher auch die Wahrscheinlichkeit, dass es nicht bei einem Angriff bleibt. Außerdem haben sich die „Angreifer“ in der Passage zum 3. Kyu nicht mehr so einfach auf meine Technik eingelassen. Trotzdem waren alle Angriffe „liebevoll“; niemand wollte mir etwas Böses und irgendwie fand ich dann doch immer den Weg in eine Bewegung, die einer Technik ähnelte – mal mehr, mal weniger.

Purer Stress war es dennoch. Ein Angriff nach dem anderen von insgesamt 20 Leuten. Dabei innerlich und äußerlich, ein ums andere Mal, tief durchzuatmen und runter zu kommen von dem Gedanken „Ich muss jetzt was machen, mir muss das gelingen!“ war eine echte Herausforderung. Aber Herausforderungen sind ja zum Wachsen da. Mir bleibt die Einsicht: den meisten Stress mache ich mir selbst. Ob im Boot angesichts eines Ansturms von Angreifern oder beim Lernen einer komplizierten Technik. Je entspannter und zuversichtlicher ich die Sache angehe, desto zügiger und reibungsloser funktioniert es am Ende. Was zwischenzeitliche Frustmomente nicht ausschließt.
Das Ende des Tages gegen 14:30 Uhr – Glückwünsche, Kritik, Duschen, Abschied nehmen, von der letzten Graduierung, den Trainingspartnern und Mama. Zeit zum Bilder ansehen, über sich selbst ärgern, schmunzeln, lachen und nachdenken. Denn die Zeit in der ich mich ärgere lässt sich erheblich dadurch verkürzen, dass ich mich selbst nicht so bitter ernst nehme.

Es war eine großartige Erfahrung für mich, herzlichen Dank den Trainern und Trainingspartnern in der Vorbereitung, meinen Ukes in der Passage, meiner wie wild fotografierenden Mama und der „Besatzung“ des Bootes, insbesondere unserem Kapitän Thorsten.