Lehrgang mit Philippe Orban

Das Jahr beginnt gleich mit einem tollen Lehrgang (davon könnt Ihr ausgehen) mit Philippe Orban, 6. Dan aus Leipzig.

Einige kennen Philippe schon vom letzten Mal, einige sogar schon ganz lange - denn er war direkter Schüler von Christian Tissier und hat lange Zeit im Pariser Dojo gelebt und gearbeitet, bevor er sein eigenes Dojo in Deutschland aufgemacht hat.

Philippes Aikido hat sich seither sehr entwickelt, überhaupt ist es eines seiner Merkmale, dass er in der Entwicklung nie stehen bleibt. Was uns verbindet, sind natürlich die gemeinsamen tiefen Wurzeln im Cercle Tissier, die Liebe zum Ken-Jutsu und zu den Waffen überhaupt und, nicht zuletzt, der Einfluss von Inaba Sensei's Budo.

Es gibt also außerordentliche viele Berührungspunkte bei erkennbaren kreativen Unterschieden - ich freue mich sehr auf diesen Auftakt und hoffe, dass Ihr zahlreich kommt!




Das neue Jahr beginnt mit Ken-Jutsu am Sonntag, den 5. Januar


Labyrinth Meditation, Alexander Madl


Es ist ein seltsames Gefühl, durch die verschlungen Pfade dieses Labyrinths zum Ziel zu gehen. Man kann das Ziel, den kleine "Altar" mit Andenken der Touristen, sehen, aber man kann es auf direkten Wege nicht erreichen. Man umkreist es, immer wieder. Die Steine, die Linien zu übertreten, wie es einige tun, gilt nicht. Langsam, in Schleifen nähert man sich dem Ziel. Bald ist man ganz nahe - und dann wieder weit weg.

Geduld, meditatives Gehen. Das Ziel vor Augen, gehen… Das Ziel nicht aus den Augen lassen, trotz aller Schleifen, die das Leben uns aufgibt. Die Spirale führt zum Mittelpunkt, unweigerlich…














angeregt durch ein Stein-Labyrinth am Aussichtspunkt zur Golden Gate Bridge


Schließe den Gegner ein - statt aus

Eine der für mich wesentlichen Dinge auf dem wunderbar privilegierten Lehrgang, den wir mit Bjoern Eirik Olsen genießen durften, war dieses aus der Bewegung heraus entstandene Bild: Schließe die Welt nicht aus (den Angreifer als "Objekt da draußen" überhaupt erst stark werden lassen) - sondern schließe ihn ein als Teil deiner Welt (the big bubble, in dem alles ist).

Bjoern Eirik hat es auch gesagt, den Gegner "da draußen" gibt es eigentlich gar nicht, wir erschaffen ihn erst, indem wir unsere Aufmerksamkeit auf ihn als "Gegner" lenken.

The big bubble, für mich eine neue und schöne Metapher für das erweiterte Raumbewusstsein, von dem ich desöfteren spreche. - Ich möchte an dieser Stelle noch einmal weitergeben, wie wohl sich Olsen Sensei im SEISHINKAI gefühlt hat. Eure Aufmerksamkeit hat ihn ja geradezu zu immer neue Informationsfluten verführt! Und er hat die äußere Zeit vergessen. Ein schöner, verbindender Moment.

Ein großes Dankeschön auch noch mal öffentlich an den Vorstand des Seishinkai Aikido Deutschland und an die Geschäftsführung des Frankfurt Seishinkai, die Veranstaltung die die Veranstaltung einerseits durch Verzicht auf Raummiete und andererseits durch aktive finanzielle Unterstützung ermöglicht haben. - Es ist absolut ungewöhnlich, eine Veranstaltung dieser Art mit einer handverlesenen Anzahl von TeilnehmerInnen durchzuführen.



Thorsten Schoo

Reisebericht über Zehn Tage „Leaders‘ Seminar 2013“ im Shiseikan-Dojo, Tokio

Eigentlich hatte ich ja versprochen von unterwegs zu berichten, aber unser tägliches Programm war so dicht gestaltet, dass es kaum frei verfügbare Zeit gab, etwas Anständiges zu schreiben.
Es war jedenfalls ein sehr wertvoller Aufenthalt. Das Seminar war sehr sorgfältig vorbereitet. Die Inhalte und das Training haben sich zu einem runden Ganzen verdichtet, das mir für meine künftigen Studien reichhaltige Anregungen bieten wird. Die Gastfreundschaft des Shiseikan war zudem mehr als großzügig.

Ich hatte in Tokio ähnlich kalte Temperaturen erwartet, wie wir sie hier in Deutschland um diese Jahreszeit haben. Wir waren jedoch die ganzen zehn Tage mit äußerst mildem und sonnigen Wetter gesegnet, so dass wir unsere kurzen Mittagspausen zumeist draußen im Yoyogi-Park verbringen konnten.

Neben offiziellen Besuchen im Meiji-Schrein und der Teilnahme an Niiname Sai, dem japanischen Erntedankfest, dem in Japan noch immer ein hoher Stellenwert beigemessen wird, haben wir an Misogi, einem sehr wichtigen shintoistischen Ritual zur spirituellen Reinigung teilgenommen.
Misogi kann in seinen Handlungen zwar beschrieben werden, sein Zweck lässt sich jedoch nur durch eigene Erfahrung erschließen.
Ich habe den Eindruck, dass mir durch das Misogi ein Einblick in ein tieferes Verständnis des Budo eröffnet worden ist, der mein Training bereichern wird.

Das Seminar enthielt einen nicht zu vernachlässigenden Anteil an theoretischem Unterricht – sogar unter Verwendung einer Tafel zur Veranschaulichung von bestimmten Ideen – Exkursionen und selbstverständlich natürlich auch körperlichem Training. Taijutsu und Kenjutsu wurden dabei nicht getrennt.

Ein sehr wichtiger Abschnitt des Seminars war sicherlich die Exkursion zum Mitake-San (Berg Mitake), um uns dort dem Misogi zu unterziehen. Am Vorabend haben wir dort im Musashi-Schrein einem Kagura-Tanz beigewohnt, einer sehr alten Form des rituellen Tanzes, wie er von den Priestern des Schreins einmal monatlich zur Erbauung des dort verehrten Kami vorgeführt wird. In dem schlichten, mit Reisstrohmatten ausgestatteten Raum vor der Bühne, wo wir zusammen mit der „Gemeinde“ des Ortes, der Vorführung beiwohnten, erlebte ich eine Art Einkehr in das allgemein Menschliche, das sich in seinem jeweiligen kulturellen Ausdruck zwar unterscheidet, in unserem Streben nach Kontakt und Rückverbindung mit den uns umgebenden Größeren Wirkmächten, als Menschheit jedoch universell vereint.

Während die Kostüme des Kagura, prachtvoll und vornehm gestaltet, für den europäischen Geschmack keine weitere Herausforderung darstellen, ist der Tanz, in Darstellung und Bewegung sehr sparsam, schon weiter von europäischen Vorstellungen entfernt. Ebenso der Gesang und die Musik, die lediglich aus Trommeln, Flöten und einer Art intoniertem Sprechgesang bestanden. Mir scheint, dass diese Musik noch sehr deutlich ihre Herkunft aus der schamanischen Beschwörungen zeigt.
Am Tag des Misogi sind wir recht früh aufgestanden und eine längere Strecke an den Berghängen des übrigens sehr steilen Berges entlang gelaufen bis zu dem geheiligten Wasserfall, wo wir uns schließlich dem Misogi unterzogen haben. Insbesondere der Hinweg durch zwar kultivierte, aber recht ungestörte Natur, war eine wichtige Vorbereitung auf das Misogi.

Nach einer abschließenden "Weihe" im Schrein bei unserer Rückkehr und einem ordentlichen japanischen Frühstück sind wir dann noch einmal schnell in strammem Tempo auf einen Nachbargipfel des Mitake-San, den Otake-San, gestiegen und wurden mit einem wunderbaren Blick auf den Fujisan belohnt. Die Gruppe, die schon zu Beginn in zwei Gruppen mit unterschiedlichem Aufstiegstempo aufgeteilt worden war, ist im Verlauf des Aufstiegs tatsächlich noch einmal zerfallen, weil Araya-Kancho einen wirklich anspruchsvollen Schritt vorgegeben hat. Meine körperliche Verfassung war erfreulicherweise gut genug, dass die Tour eine gut annehmbare Herausforderung darstellte.


Die beiden Tage der Misogi-Exkursion waren auch ansonsten eine intensive Begegnung mit sehr japanischen Dingen. So haben wir in einer Herberge übernachtet, deren Räume klassisch aus Shojis und Wandschränken gebaut waren, ausgestattet mit Futons zum Schlafen, zum Essen flache Tische an denen man in Seiza sitzen muss. Wir wurden mit hervorragenden Speisen bewirtet, nicht nur Sashimi, Sushi, Miso-Suppe, etc, sondern auch mit vielen interessanten, leckeren Gerichten, deren Namen ich nicht kenne. Alle Gerichte waren mit viel Sorgfalt gestaltet, und wurden in einem recht freien Ablauf aus Süß und allen anderen denkbaren, auch ungewohnten Geschmäcken serviert.

Gefallen hat mir neben der liebevollen Achtsamkeit, mit der im Prinzip wirklich Alles gestaltet oder zubereitet wurde, auch das gegenseitige Einschänken der Getränke. Überhaupt werden viele der ausgewählt achtsamen Verhaltensweisen in der japanischen Kultur in den Reiseberichten dorthin gereister Westler viel zu sehr als schwierige Momente gegenseitiger Beschämung stilisiert. Das kann ich so nicht erkennen. Ob es nun das erwähnte gegenseitige Einschänken war, das grundsätzliche Betreten der Häuser ohne Schuhe, das Anziehen der bereit gestellten Toilettenpantoffeln, das ausführliche Reinigen des eigenen Körpers vor Betreten des gemeinsamen (heißen) Bades, etc. All diese Regeln erhöhen den Komfort, zeigen eine Kultur der gegenseitigen Achtsamkeit und Harmonie, und man kann auch als Europäer recht leicht damit umgehen, wenn man selbst ein wenig Achtsamkeit und Aufmerksamkeit investiert. Kleine Fehler werden leicht ausgeglichen durch die Bereitschaft der Japaner, Ausländern ihre Unkenntnis zu vergeben. Möglicherweise ändert sich das, wenn man länger in Japan bleibt, aber für einen kurzen Aufenthalt kann man diese Kultur der Achtsamkeit ohne Umstände einfach schätzen, bewundern, genießen.

Auch während der folgenden Tage unseres Aufenthalts, die wir hauptsächlich trainierend und lernend im Shiseikan verbrachten, konnten wir uns weiterhin abends in einem japanischen Bad erholen, denn wir waren auch in Tokio in einem japanischen Hotel untergebracht. Oft genug waren wir abends auch so erschöpft, dass wir diese Möglichkeit sehr geschätzt und genutzt haben.

Viele der Eindrücke und Erlebnisse habe ich trotz der inzwischen schon ordentlichen Länge dieses Artikels nicht erwähnen können. Viele Anregungen wirken noch intensiv nach. Viele Aspekte sind zu wertvoll, um sie in einem kurzen Satz abzuhaken. Wenn es die Umstände erlauben, werde ich sie in der folgenden Zeit in kürzeren thematisch gebundenen Artikeln hier posten.


Mirjam

Nächstes Wochenende Bjoern Eirik Olsen Shihan im SEISHINKAI

Am Wochenende Samstag Sonntag, den 14.-15. Dezember ist es soweit: Bjoern Eirik Olsen aus Tromsoe/Norwegen ist im SEISHINKAI zu Gast!

Der Lehrgang beginnt am Samstag um 11 Uhr und endet um 19 Uhr. In der Mittagspause gehen wir gemeinsam etwas essen. Dies ist eine schöne Gelegenheit, Bjoern Eirik auch im Gespräch besser kennenzulernen. Am Sonntag geht das Training von 10-13 Uhr.

Jugendliche bis einschließlich 18 Jahre bekommen Einlass zu 50 % !


Die Bewegung anhalten - von Alexander Madl



Die Bewegung anhalten, wie geht das? Ruhig werden, in dieser hektischen Zeit, in dieser Fülle an Verführungen, Angeboten, Aufgaben, Projekten, Möglichkeiten, Verpflichtungen, wie geht das? Wie kann ich ruhig werden, die Bewegung anhalten, und doch nicht bewegungslos sein, träge mich treiben lassen?

Die Schwertspitze kreist, aus der Hüfte heraus. Aus der Erde heraus eigentlich, über die fest in der Erde verwurzelten - und doch leicht beweglichen - Füße über das Zentrum in die Schwertspitze, so sollte die Energie fliessen. Nicht durch Muskelkraft, nicht über den Schultergürtel bewegt… Dann werden die Kreise immer kleiner, unsichtbar, bis die Schwertspitze langsam fällt. Grundposition. Ganz ruhig sein, bereit. Aber die Bewegung in der Schwertspitze ist immer noch fühlbar, ist innerlich, unendlich.

Wie kann ich also ruhig werden, wie die Bewegung anhalten? Eine große Frage für mich. Ich, der immer in Bewegung ist, immer viele Bälle gleichzeitig in der Luft zu halten versucht… Beruf, Aikido, Tango, Motorrad, Fotografie… 1000 andere Dinge. Soviel spannendes gibt es zu entdecken - jeden Tag, jede Minute. Wie soll ich da ruhig werden? Unter anderem auch deshalb habe ich diesen radikalen Bruch provoziert, die Auszeit genommen. Auszeit von all diesen kleine und großen Projekten. Ja, aber - wie ruhig werden auf einer Reise? Wie ruhig werden, wenn man permanent unterwegs ist, wenn nichts sicher ist? Ich denke, gerade darum geht es, die äußere Bewegung anhalten, die Kreise immer kleiner machen, damit die Schwingung innen immer weiter werden kann, unendlich. Oder, im Umkehrschuss, innerlich ruhig werden, die innere Unruhe anhalten, in der äußeren Bewegung.

Die Reise, das Unterwegs-sein ist gleichzeitig Reduktion und Vervielfachung der Bewegung. Ich bin sehr frei, habe keine Verpflichtungen, kann relativ einfach fast überall hin reisen. Will ich nach Japan Aikido trainieren, oder nach Buenos Aires Tango tanzen? Nichts steht meiner Entscheidung im Weg, keine Wohnung, kein Beruf, keine Familie… Andererseits, vieles kann ich so einfach nicht machen (z.B. trainiert es sich schlecht Aikido, wenn man jeden Tag an einem anderen Ort ist. Oder: ich würde gerne mehr analog fotografieren, aber die Dunkelkammer lässt sich schlecht mir der Idee "Reisen mit leichtem Gepäck" vereinbaren) - ich muss verzichten. Und ich kann nicht überall sein, nicht gleichzeitig in Tokyo und Buenos Aires… 

Die Bewegung wird dadurch einfacher: wo will ich (heute) hin, wo schlafe ich, was esse ich. Unterwegs sein hat einen eigenen Rhythmus - ein Rhythmus den die Nomadenvölker dieser Erde seit Jahrtausenden besingen… Die Bewegung wird langsamer, dafür stetig. Die Wellen werden länger, die Amplitude schwächer, man gibt sich dem Rhythmus der Natur hin, sei es dem Meer oder dem Schaukeln des Kamelrückens oder eben dem Rhythmus der Landstrasse, den Fahrplänen der Busse… Die Bewegung anhalten, wie geht das? In dem ich eins bin, mit dem was ich tue. Im Aikido, indem ich eins bin mit Uke. Wie schön ist das Gefühl, nach einem schnellen Angriff auf den Fersen zu sitzen, mit Ni-Kyo abzuschliessen. Die Bewegung ist gestoppt Äußerlich, innerlich sind wir beide weiter in Bewegung. Stille. Frieden. Und auch - Ausgangspunkt für neue Bewegung, für neue Begegnungen… 

Zufällig habe ich dazu heute in TED einen inspirierenden Vortrag gehört, von Bruder David Steindl-Rast, einem Benediktiner Mönch (und des Aikido vermutlich nicht mächtig). Er spricht über Dankbarkeit und Glücklich sein - und darüber, jeden Moment bewusst zu geniessen. Dazu muss man anhalten (stop), den Moment bewusst wahrnehmen (see) und dann wieder in Bewegung, in Aktion kommen (go).=