Japan 2014 - 3 Waka Sensei, Mitsuteru Ueshiba

Morgens 6 Uhr, zweiter Stock im Aikikai. Es sind schon ein paar Aikidoleute da und üben. Der alte Mann in der Ecke schwingt sein Schwert wie in Trance hin und her. Er ist 76 Jahre alt, wie ich gleich erfahre, denn bevor es um 6.30 offiziell losgeht, werde ich von ihm zum Tänzchen aufgefordert.  (Dazu muss man wissen, dass in Waka's Stunden - wie bei den meisten anderen Lehrern auch - der Partner nicht gewechselt wird.)

Es ist klar, dass in 50 Jahren möglicherweise harten Lebens und Trainings sich eine Menge Rikimi, Steifheit ansammelt. Ich bin schwer beeindruckt und gebe aber gleichzeitig Acht,  dass diese Steifheit nicht in meinen Körper zieht.

Mit welcher echten Freude sich v.a. die älteren Aikidoka  voreinander verbeugen! Ich glaube, sie ehren damit einen Jahrzehnte lang gewachsenen gemeinsamen "Erfahrungsberg". Ausserdem haben einige dieser Leute noch mit O Sensei zusammen trainiert.  Da ging es eh herzlicher zu.

In der vom Shintô geprägten Kultur Japans können Menschen einen göttlichen Status bekommen, wie ihr wahrscheinlich wisst. - Aber das Göttliche wird .anders verstanden als bei uns - das ganze Universum,  die Natur und also auch die Menschen sind göttlichen Ursprungs. Man kann sagen, wer als Mensch die Funktion des Universums verstanden hat, wird selbst als göttlich verehrt. Bei O Sensei passt das.

Mit diesem Wissen kann ich mich auch vor O Seinsei' Relief im Aikikai leichter verbeugen.

Waka hält sein Training exakt genauso wie sein Vater, nur dass er ein bisschen mehr jugendlichen Wumms hineinlegt. Einfache Grundtechniken,  2 x omote, 2 x ura.