Yudansha-Seminar - 10. Juni 2017

Eigentlich keine Frage. Das Aikido vereint das Tai-Jutsu (waffenlose Arbeit) und die Arbeit mit den Waffen grundsätzlich und schon immer. Dennoch trennt man die Disziplinen oftmals gedanklich und emotional. Vielleicht ist das der Tatsache geschuldet, dass sich in den Waffendisziplinen häufig  unwillkürlich die Körperlichkeit und die Einstellung verändern. Die Weichheit, Empfänglichkeit und Gelassenheit, die uns im waffenlosen Üben nach einer Weile einigermaßen gelingen, werden durch das Halten und Führen einer Waffe gestört. Unsere Körperintelligenz erkennt, ganz ohne sich von unseren gedanklichen Konstrukten beeinflussen zu lassen, die Macht und Gefährlichkeit der Instrumente, die wir führen, und zugleich die im krassen Widerspruch dazu stehende eigene Verletzlichkeit.

Immer wieder geht es während des Trainings um Selbstdisziplin.
Wir überwinden unsere Angst davor, zu versagen, eine schlechte Figur zu machen, verletzt zu werden oder eventuell unsere Partner durch Unvermögen zu verletzen. Wir überwinden unsere Beisshemmung, um in ehrliches Üben zu kommen, während wir uns zugleich bezähmen, von der Lust des Gelingens und der Macht unseres Instruments nicht in einen Rausch zu geraten. All dies muss über den kognitiv "bewusst" gesteuerten Bereich hinaus entwickelt werden. Diese Fähigkeiten sollen uns, im wahrsten Sinne des Wortes, übergehen in Fleisch und Blut.

Halten wir alle im Aikidotraining kennen gelernten körperlichen, aber auch geistigen Elemente in der Balance, gelingt es nach und nach, zugleich im inneren Dialog, die Waffe zur lebendigen Verlängerung des Körpers werden zu lassen, wie auch im Außen in den lebendigen Dialog mit dem Gegenüber zu treten. Die Kata wird nach und nach in ihrer Formaltät in echte Zwisprache übersetzt.

In zügiger Folge spielen wir an diesem Samstag nach und nach im Training die verschiedenen Interaktionsmöglichkeiten durch. Jo-nage, Jo-dori, Kenjutsu, Randori – Irgendwie ist alles angenehm vereint und ein fließender Übergang folgt dem nächsten. Alles verbindet sich mühelos zu einer Einheit.

Schließlich haben wir eher mehr als fünf Stunden intensiv trainiert, und alle waren am Ende rechtschaffend müde und angenehm erschöpft. Der kurze Abschluss mit gegenseitiger Massage war wohlverdient.