SPO 2018 – QUADRIGA DES AIKIDO

Frisch aus dem Aikido-sommer zurück, und bevor wir in den Urlaub fahren, möchte ich eine kurze Zusammenfassung des Lehrgangs mit Euch teilen, so wie er auf mich gewirkt hat.
Nach dem Seminar ist vor dem Seminar
, und die Verarbeitung des Erlebten eine wichtige Voraussetzung für den Lernprozess.


Tatsächlich ordnen sich unsere Hauptpunkte – den Mittelpunkt frei bewegen können; dort schon sein, wo der Partner gleich sein wird; Stärkung der Rumpfmuskulatur und der „Spindel“; Goju (hart und weich)-Aikido – zu einem neuen, eigenen Bild …

Die QUADRIGA DES AIKIDO - VIER PUNKTE:

1. AUSDEHNEN. Von einer starken Achse in den Raum hinaus.

2. EINLADEN. Aikido ist eine Herzensübung. Jeder kann willkommen sein.

3. EMPFANGEN. Der Kontakt ist immer anders, als man denkt.

4. BEWEGEN. Mein Punkt bleibt frei.

Die Quadriga, der antike vierspännige Streitwagen, versammelt die besten Pferde im Krieg gegen den Feind, das ist in unserer Zeit die Unwilligkeit oder auch die Unfähigkeit des Einzelnen, ein bewusster Teil des größeren Ganzen zu werden.

Als Wagenlenker der Quadriga gilt Apollon. Apollon ist in der griechischen Mythologie der Gott des Lichts, der Heilung, des Frühlings, der sittlichen Reinheit und Mäßigung sowie der Weissagung und der Künste. Apollon war auch der Gott der Bogenschützen. Nur um meine Richtung anzuzeigen: Apollon ist auch eine Metapher für den kultivierten, sublimierten Kampf. Aikido könnte Apollon-Art heißen.

Seit Jahrzehnten beschäftigen wir uns im Aikido mit der Sublimierung des Kampfes, große Fortschritte sind erreicht. - Auf der anderen Seite, und das ist die Position des Seishinkai Aikido, darf die Sublimierung den Stamm, die Wurzeln und den Boden, auf dem wir wachsen, nicht aus den Augen verlieren. Anfang und Ende sind in jedem Moment des Lebens und natürlich auch in der Übung gegenwärtig. Der sublimierte Kampf im Seishinkai Aikido findet im martialischen Kontext statt. Kampf und Kunst eben.

Um dich zu mäßigen, musst du das Unmäßige kennen. Um zu verstehen, was sittliche Reinheit beutet, musst du verstehen, was Unreinheit für dich bedeutet. Den Frühling und sein Entgegen-Strecken ins Licht kannst du dann richtig feiern, wenn die herbstliche Entspannung ins Dunkle erlebt und verstanden ist. Der Bogenschütze ist bereits dort, wo der Pfeil gleich ins Schwarze treffen will.

Die bedeutendste Orakelstätte der Antike, das Heiligtum zu Delphi, ist Apollon geweiht. „Werde, der du bist!“ heißt es dort. Übersetze mit: „SEI SHIN“, damit ist der würdige Wagenlenker sozusagen der O’Sensei des Westens.

1. Ausdehnen. Polarität hier: Ich kann unscheinbar werden und dort draußen sozusagen als Ninja agieren. - Im Sommer 2018 haben wir ganz auf der anderen Seite gespielt: Sei so präsent wie du es nur irgend sein kannst da draußen! Du hast Profil gezeigt, aus einer starken selbstbewussten Mitte heraus. Dementsprechend entspannt konntest du da draußen auch sein. Weiche Ellenbogen und fast flüssige Schultern gehen mit dieser Stärke Hand in Hand. „Kernkraft“ haben wir das spontan genannt :)

2. Einladen. Freunde einzuladen ist eine schöne Sache. Dafür müssen wir aber keine Kampfkunst üben. Personen, denen wir neutral gegenüber stehen, sind für das Training auch spannend. Wir können nicht genau vorhersagen, ob die Einladung angenommen wird, und wie. Unsympathische oder gar gegnerisch eingestellte Leute einzuladen ist bestimmt die größte, aber auch die lohnendste Herausforderung! Leider gibt es im Aikido nicht so viele davon ;) Wichtig für uns bleibt aber: Aikido ist eine Herzensangelegenheit. Mit dem Herzen zu üben, heißt mit dem Herzen Allem und Jedem begegnen zu können.

3. Empfangen. Die Einladung wird also angenommen, aber die Begegnung ist anders als gedacht! Zum Glück liegt sie oft in der Nähe unserer Vermutung. Konzepte machen deswegen schon Sinn, wir dürfen uns nur nicht in der Zukunft, in den Konzepten verlieren. Mindestens 51% unserer Aufmerksamkeit sollten in der Mitte des Hier und Jetzt bleiben, damit wir das Leben leben und nicht das Leben uns.

4. Bewegen. Selbstverständlich, auch in diesem Punkt haben wir uns bereits auf der anderen Seite der Polarität bewegt: Das Zentrum deiner Bewegung kann praktisch überall sein, in der ernsten Auseinandersetzung ein fortgeschrittenes Konzept. - In diesem Sommer 2018 haben wir den Einen, unveränderbaren Punkt betont, von dem aus wir frei bewegen können und sollen. Solange du lebst, gibt es immer eine Möglichkeit, den Anderen mit in (deine) Freiheit zu nehmen. Dazu musst du sie tief in dir spüren.

Ausdehnen, Einladen, Empfangen, Bewegen - die Quadriga des Aikido ist ein Streitwagen. Jedes der 4 „Pferde“ für sich mag eigenwillig und charakterstark sein – zusammen vor den Wagen gespannt allerdings geht es vorwärts.

Apollon, der Wagenlenker, das bist du.

Die Letzten des letzten Trainings.
Von links oben nach rechts unten: Wolfgang, Helgard, Carsten, Simon, Max, Ylva, Evelyne, Karin, Hans-Werner, Mirjam Fischer - HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH ZUM 5. DAN! - Thorsten, Christian Breig - HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH ZUM 1. DAN! - Markus, Constanze